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Donnerstag, 1. Oktober 2020

Hiddensee-Roman »Kruso« von Lutz Seiler

Kruso

An Lutz Seilers erstem und gleich mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnetem Roman »Kruso« scheiden sich die Geister. »Kruso« ist sein erster Roman und zugleich das Werk eines Lyrikers. Ob Meisterwerk oder Langweiler - die Diskussion hat das auf der Ostseeinsel Hiddensee im Wendejahr 1989 spielende Epos jedenfalls tüchtig befeuert, denn »Kruso« ist ein ebenso vielschichtiges wie mehrdeutiges Buch.

Der Roman »Kruso« von Lutz Seiler spielt auf der Insel Hiddensee im Milieu der Saisonarbeiter und gesellschaftlichen Aussteiger zur Zeit des Zusammenbruchs der DDR 1989. Er erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen dem Germanistik-Studenten Edgar Bendler und dem Küchenmitarbeiter Alexey Krusowitsch, genannt »Kruso«, der in der Gemeinschaft der Saisonarbeiter als Autorität anerkannt ist. Beide sind vom Verlust eines ihnen nahe stehenden Menschen traumatisiert.

Die Gaststätte »Zum Klausner« mit großen grünen Garten und Terasse mit Sitzgelgenheiten für die für Tagesausflügler liegt idyllisch am Waldrand und in unmittelbarer Nähe zum Strand von Hiddensee, der nur eiene Steinwurf entfernt istt. Der Pächter sieht die Gaststätte als Schiff und die Angestellten als deren Besatzung an und entsprechend seemännisch fällt seine Wortwahl beim täglichen Appell aus: »Ab in die Wanten!«. Die Angestellten des Klausner sind wie die Mitglieder einer Schiffsbesatzung eine verschworene Gemeinschaft.

Der Romanheld, der psychisch labile, selbstmordgefährdete Germanistik-Studenten Edgar Bendler findet in der Gaststätte »Zum Klausner« eine Anstellung als Abwäscher. Sein charismatischer Mitarbeiter Kruso hat auf der Insel so etwas wie eine Auffangstation für alle Schiffbrüchigen errichtet, womit jene gemeint sind, die auf irgendeine Weise im DDR-Regime angeeckt sind oder das Land verlassen wollen.

»Kruso« entwickelt eine Freiheits-Utopie, in deren Sog der junge Edgar gerät. Gemeinsam kümmern sie sich um die „Schiffbrüchigen“ – all jene, die mit dem Staat abgeschlossen haben oder auf verschiedene Weisen gescheitert sind. Zwischen beiden Männern wächst eine tiefe Freundschaft, die sie fast übersehen lässt, dass rings um sie der Staat zerbricht und immer mehr Gefährten das Land verlassen. Kruso wird darüber krank und Ed übernimmt seine Aufgabe.

Am Ende muß die Gaststätte »Zum Klausner« schließen, das Klausner wird Kiel geholt und Kruso und Ed, die weiterhin dort wohnen und sich durchschlagen, sind ihrem Schicksal überlassen.

Seilers Roman zeichnet sich durch eine hohe sprachliche Genauigkeit aus und verbindet historische Konkretheit mit surrealen Zügen. Im Erscheinungsjahr erhielt der Roman den »Uwe-Johnson-Preis« sowie den Deutschen Buchpreis.

Weblink:

Kruso
Kruso
von Lutz Seiler


Rezension:

Kruso Rezension
Kruso Rezension
von Joachim Weiser

Samstag, 14. Dezember 2019

»Metropol« von Eugen Ruge


Eugen Ruge wurde 2011 für seinen Debütroman »In Zeiten des abnehmenden Lichts« mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Damals ging es um das generationenübergreifende Schicksal seiner Familie in der untergehenden DDR.

Nach einigen weniger erfolgreichen Romanen hat sich der 1954 geborene Autor nun erneut seiner Familie zugewandt. Die Geschichte seiner kommunistischen Familie ist das Lebensprojekt des Schriftstellers Eugen Ruge. In dem Roman »Metropol« erzählt er von seiner Großmutter, einer Agentin, die während des Großen Terrors in Moskau lebte.

»Metropol« springt gegenüber dem Erstling einige Jahre zurück und zeichnet das Leben Ruges Großmutter ab 1936 in der Sowjetunion nach.

Auf der Flucht vor den Nazis ist die Kommunistin Charlotte mit ihrem Mann Wilhelm in die Sowjetunion emigriert. Dort arbeiten beide in der „Komintern“, einer Organisation, in der Kommunisten aus dem Ausland tätig sind.

Doch schon bald rückt etwas in den Mittelpunkt ihres Daseins, das heute als die „Große Säuberung“ bekannt ist. Diktator Stalin ließ damals und auch später noch zum Teil völlig grundlos Menschen verhaften und zum Tode verurteilen, die seine Macht gefährden konnten. Es begann eine Zeit der Angst und der Denunziation.

Auch Charlotte und Wilhelm sind bedroht. Sie kannten jemanden der Verhafteten. Allein das reicht schon, sie ihres Jobs bei der Komintern zu entheben und sie im Hotel „Metropol“ – darauf bezieht sich der Titel – zu parken. Eine quälende Zeit der Ungewissheit beginnt.

Dem Autor gelingt es hervorragend, den Schrecken greifbar zu machen, dem politisch tätige Menschen in dieser Zeit in der Sowjetunion ausgesetzt gewesen sein müssen – einem Land, in dem man bei Minusgraden im Winter nach Lebensmitteln anstehen musste und es keine vernünftigen Schuhe gab.

Ruge stellt jedoch nicht allein Charlotte in den Vordergrund. Er lässt uns auch in die Köpfe eines Richters schauen, der Todesurteile am Fließband unterschreibt, und einer weiteren Komintern-Mitarbeiterin.

In diesem großen Roman geht es um die blutig enttäuschten Träume und Irrtümer, die Charlotte und Wilhelm nur zufällig überlebten – und deren Drama jetzt hoffentlich viele berühren wird.

Man entkommt dem Sog dieses Romans so wenig wie dessen meiste Akteure dem stalinistischen Vernichtungswillen, und obwohl man um den groben Verlauf der historischen Ereignisse weiß, ist die semifiktionale Geschichte immer wieder überraschend. Ruge nennt sie im Epilog eine Erzählung darüber, "was Menschen zu glauben bereit, zu glauben imstande sind". Das ist in der Tat unglaublich. Und das macht Eugen Ruges "Metropol" zu einem extrem lesenswerten Geschichtsroman.

»Metropol« ist ein würdiger Nachfolger des Erfolgsromans aus dem Jahre 2011. Schon die wahre Geschichte klingt so spektakulär, als wäre sie erfunden. Ein ebenso klug komponiertes wie spannendes Buch.

Literatur:


Metropol
von Eugen Ruge

Eugen Ruge: Metropol
Rowohlt, Oktober 2019
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro


Blog-Artikel:

»In Zeiten des abnehmenden Lichts« von Eugen Ruge

Mittwoch, 13. November 2019

»Der Turm« eine Geschichte aus einem versunkenen Land

»Der Turm« eine Geschichte aus einem versunkenen Land

Uwe Tellkamps Roman »Der Turm« ist ein akkurat gemaltes Sittenbild der Boheme in einem Dresdner Villenviertel. Der bezeichnende Titel »Der Turm« ist dabei eine Anspielung auf den Dresdner Villenvorort "Weißer Hirsch" mit jener Ansammlung verschnörkelter Bürgerhäuser, die wie die Burgen des nachgeahmten Adels, mit Türmen und Zinnen bewehrt sind.

Der Turm Geschichte aus einem versunkenen Land.

»Der Turm« ist ein lebendiges Zeitpanorama am Ende der DDR. Tellkamp erzählt in diesem umfangreichen Gesellschaftsroman mit epischer Breite die Geschichte eines untergehenden Landes anhand der Lebensgeschichte der wohlhabenden Bewohner eines Dresdner Villenviertels. Das Werk ist ein Abgesang auf einen untergehenden Staat.

Der Roman erzählt eine Familiengeschichte über drei Epochen, in der die Politik hineinreicht, so daß das Sittenbild einer Epoche entsteht. Es wird eine Familiengeschichte gespiegelt.

Es sind die letzten sieben Jahre der DDR, die der Autor durchaus detailgetreu in einem opulenten Sittengemälde auferstehen läßt. Schauplatz dieses Gesellschaftsportraits von Tolstoischen Ausmaß ist das Dresdner Villenviertel "Weißer Hirsch" - von jeher  eine Enklave des Bildungsbürgertums und der Gelehrten.

»Der Turm« erzählt eine kunstvoll verschachtelte Familiengeschichte mit einem geradezu überbordenden Romanpersonal. Er lässt Parteibonzen, Lektoren, Schüler, Soldaten, Künstler, Sprösslinge der Nomenklatura, Krankenschwestern, Anwälte und Republikflüchtlinge, Zensoren und Chefärzte auffahren. Diese haben nacheinander ihren genau berechneten Auftritt in diesem Roman.

Sein Zeitpanorama beginnt im Jahre 1982, dem Todesjahr Breschnews und endet punktgenau am 9. November 1989 - dramaturgisch durchaus geschickt - genau mit dem Datum des Mauerfalls.

Dienstag, 24. September 2019

Günter Kunert im Alter von 90 Jahren gestorben

Günter Kunert

Günter Kunert ist gestorben. Er starb am Samstag im Alter von 90 Jahren in seiner Wahlheimat Kaisborstel bei Itzehoe.

Günter Kunert ist ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Werk in besonderem Maße die Literatur der beiden deutschen Staaten, das heißt die Kompliziertheit ihrer Wechselbeziehungen und ihrer unterschiedlichen Befindlichkeiten, sowie dann des wiedervereinigten Deutschlands repräsentiert.

Im Leben von Kunert spiegelt sich die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts: Der gebürtige Berliner war Sohn einer jüdischen Mutter und durfte während der Nazidiktatur keine höhere Schule besuchen. In einem seiner Schulzeugnis steht unter der Rubrik Glaubensbekenntnis "Dissident". Er wurde als "Halbjude" beschimpft" und musste miterleben, wie enge Verwandte deportiert und von den Nazis ermordet werden.

Kunert ist berühmt für seine skeptischen Gedichte, die vor ökologischen Katastrophen und Fehlentwicklungen warnen, für seine Miniaturen und kurzen Prosatexte, Notate, Hörspiele, Filme; als Romanautor kennt man ihn eher nicht.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges studierte er in Ost-Berlin fünf Semester Grafik, brach sein Studium dann jedoch ab. 1948 trat er der SED bei. Er lernte Bertolt Brecht und Johannes R. Becher kennen. Kunert kritisierte das DDR-Regime und gehörte 1976 zu den Erstunterzeichnern der Petition gegen die Ausbürgerung seines Freundes Wolf Biermann. Ein Jahr später wurde ihm die SED-Mitgliedschaft entzogen, 1979 reiste er mit seiner ersten Frau Marianne und sieben Katzen nach Westdeutschland aus.

Alles Schreiben in der DDR war der Versuch, geistig - und nicht unbedingt materiell - zu überleben.
In seinen Arbeiten nimmt er eine kritische Haltung zu Themen wie Fortschrittsgläubigkeit, Nationalsozialismus und der Politik des DDR-Regimes ein. Während seine frühen Gedichte, pädagogisch-kritisch argumentierend, dem sozialistischen Realismus verpflichtet waren und dem Fortschritt dienen sollten, nahm er später eine zunehmend skeptische und pessimistische Haltung ein.

Günter Kunert ist seit 1981 Mitglied der »Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung«, seit 1988 Mitglied der »Freien Akademie der Künste Hamburg« und war von 2005 bis 2018 Vorstandspräsident des »P.E.N.-Zentrum« deutschsprachiger Autoren im Ausland und seit 2008 Ehrenmitglied des »Fördervereins Gefangenenbüchereien e.V.«

Er erhielt für sein umfassendes Werk zahlreiche Literaturpreise: »Heinrich-Mann-Preis« (1962), »Johannes-R.-Becher-Preis« (1973), »Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf« (1985), das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1989), »Mainzer Stadtschreiber« (1990).

Günter Kunert ist seiner der wenigen noch lebenden Schriftsteller, der die Sozialisation der DDR durchlaufen und verinnerlicht hat, um davon zu erzählen. Sein Pessimismus ist legendär, aber von Resignation will er nichts wissen. Kunert schreibt weiter – auch "um mit dem Kopf in Bewegung zu bleiben".

Im Februar 2019 erschien unter dem Titel »Die zweite Frau« im Wallstein Verlag ein vor mehr als 40 Jahren entstandener, bisher unbekannter Roman, dessen Manuskript von Kunert „vor kurzem zufällig in einer Truhe entdeckt“ wurde.

Vor 45 Jahren versteckte er es in einer Kiste, weil er davon ausging, dass es zu kritisch sei, um in der DDR veröffentlicht zu werden. Beim Aufräumen fand er es wieder und entschied sich, das Buch zu veröffentlichen. Er widmete es seiner zweiten Frau Erika.

Günter Kunert wurde vor 90 Jahren am 6. März 1929 in Berlin geboren.


Weblinks:

Günter Kunert im Alter von 90 Jahren gestorben - www.zeit.de

Günter Kunert: Schreiben als Gymnastik - www.mdr.de


Literatur:

Die zweite Frau
Die zweite Frau
von Günter Kunert

Ohne Umkehr
Ohne Umkehr
von Günter Kunert

Mittwoch, 13. März 2019

»Die zweite Frau« von Günter Kunert

Die zweite Frau
Die zweite Frau

Im Februar 2019 ist unter dem Titel »Die zweite Frau« im Wallstein Verlag ein vor mehr als 40 Jahren entstandener, bisher unbekannter Roman erschienen, dessen Manuskript von Kunert „vor kurzem zufällig in einer Truhe entdeckt“ wurde.

Ein Roman, geschrieben vor 45 Jahren - in der DDR »absolut undruckbar«, wusste Kunert und versteckte ihn im Archiv. Nun wiedergefunden, wird er endlich veröffentlicht.

In einer Truhe fand Günter Kunert unlängst ein Manuskript, das er vor fast fünfundvierzig Jahren geschrieben hat - einen Roman, so frech, brisant und »politisch unmöglich«, dass Kunert, der damals noch in der DDR lebte, ihn gar nicht erst einem Verlag vorlegte. »Absolut undruckbar«, wusste er und vergrub das Manuskript so tief in seinem Archiv, dass er selbst es vollkommen vergaß und erst jetzt durch Zufall wiederfand.


Kunert ist berühmt für seine skeptischen Gedichte, die vor ökologischen Katastrophen und Fehlentwicklungen warnen, für seine Miniaturen und kurzen Prosatexte, Notate, Hörspiele, Filme; als Romanautor kennt man ihn eher nicht. Und hier ist nun ein Roman, funkelnd und frisch, geschrieben zur Hälfte des Lebens:

Der männliche Protagonist sucht nach einem Geschenk zum vierzigsten Geburtstag seiner Frau; die Auswahl in den Geschäften ist ebenso entmutigend wie seine Einfallslosigkeit, schließlich tauscht er Mark der DDR in Westgeld, um im Intershop einzukaufen, und macht dort unbedachte Bemerkungen. So nimmt eine Tragikomödie um Montaigne, Missverständnisse und Stasi-Tumbheit ihren Lauf.

Weblink:

Günter Kunert: Schreiben als Gymnastik - www.mdr.de


Literatur:

Die zweite Frau
Die zweite Frau
von Günter Kunert

Samstag, 9. März 2019

Günter Kunert 90. Geburtstag

Günter Kunert

Günter Kunert wurde vor 90 Jahren am 6. März 1929 in Berlin geboren. Günter Kunert ist ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Werk in besonderem Maße die Literatur der beiden deutschen Staaten, das heißt die Kompliziertheit ihrer Wechselbeziehungen und ihrer unterschiedlichen Befindlichkeiten, sowie dann des wiedervereinigten Deutschlands repräsentiert.

Kunert ist berühmt für seine skeptischen Gedichte, die vor ökologischen Katastrophen und Fehlentwicklungen warnen, für seine Miniaturen und kurzen Prosatexte, Notate, Hörspiele, Filme; als Romanautor kennt man ihn eher nicht.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges studierte er in Ost-Berlin fünf Semester Grafik, brach sein Studium dann jedoch ab. 1948 trat er der SED bei. Er lernte Bertolt Brecht und Johannes R. Becher kennen. Kunert kritisierte das DDR-Regime und gehörte 1976 zu den Erstunterzeichnern der Petition gegen die Ausbürgerung seines Freundes Wolf Biermann. Ein Jahr später wurde ihm die SED-Mitgliedschaft entzogen, 1979 reiste er mit seiner ersten Frau Marianne und sieben Katzen nach Westdeutschland aus.

Alles Schreiben in der DDR war der Versuch, geistig - und nicht unbedingt materiell - zu überleben.
In seinen Arbeiten nimmt er eine kritische Haltung zu Themen wie Fortschrittsgläubigkeit, Nationalsozialismus und der Politik des DDR-Regimes ein. Während seine frühen Gedichte, pädagogisch-kritisch argumentierend, dem sozialistischen Realismus verpflichtet waren und dem Fortschritt dienen sollten, nahm er später eine zunehmend skeptische und pessimistische Haltung ein.

Günter Kunert ist seit 1981 Mitglied der »Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung«, seit 1988 Mitglied der »Freien Akademie der Künste Hamburg« und war von 2005 bis 2018 Vorstandspräsident des »P.E.N.-Zentrum« deutschsprachiger Autoren im Ausland und seit 2008 Ehrenmitglied des »Fördervereins Gefangenenbüchereien e.V.«

Er erhielt für sein umfassendes Werk zahlreiche Literaturpreise: »Heinrich-Mann-Preis« (1962), »Johannes-R.-Becher-Preis« (1973), »Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf« (1985), das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1989), »Mainzer Stadtschreiber« (1990).

Günter Kunert ist seiner der wenigen noch lebenden Schriftsteller, der die Sozialisation der DDR durchlaufen und verinnerlicht hat, um davon zu erzählen. Sein Pessimismus ist legendär, aber von Resignation will er nichts wissen. Kunert schreibt weiter – auch "um mit dem Kopf in Bewegung zu bleiben".

Im September 2018 erschienen seine Aufzeichungen »Ohne Umkehr«. Günter Kunert sorgt mit hochaktuellen Prosaminiaturen für Denkanstöße.

Im Februar 2019 ist unter dem Titel »Die zweite Frau« im Wallstein Verlag ein vor mehr als 40 Jahren entstandener, bisher unbekannter Roman erschienen, dessen Manuskript von Kunert „vor kurzem zufällig in einer Truhe entdeckt“ wurde.

Weblink:

Günter Kunert: Schreiben als Gymnastik - www.mdr.de


Literatur:

Die zweite Frau
Die zweite Frau
von Günter Kunert

Ohne Umkehr
Ohne Umkehr
von Günter Kunert

Mittwoch, 9. Januar 2019

Heiner Müller 90. Geburtstag

Heiner Müller

Heiner Müllers Geburtstag jährt sich am 9. Januar zum 90. Male. 1929 kam er in Eppendorf, einem kleinen Dorf im sächsischen Erzgebirge, zur Welt.

Er gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bedeutung erlangte Heiner Müller außerdem als Lyriker, Prosa-Autor und Essayist, Interviewpartner sowie als Regisseur, Dramaturg, Intendant und Präsident der »Akademie der Künste« in Ost-Berlin.

Heiner Müller ist einer der großen, weltbekannten, deutschen Dramatiker und ein Weltautor mit DDR-Prägung. Der Dichter und Stückeschreiber, dieser scharfsinnigste Kopf der DDR, ist nach Brecht ein Intellektueller von Weltrang.

Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen
Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen

Heiner Müller gehört zu den meistgespielten deutschsprachigen Theaterautoren der Gegenwart, zurzeit jedoch eher in Frankreich und Griechenland, in Lateinamerika oder Japan als an deutschen Bühnen. Müllers Lebensthema waren Revolution und Konterrevolution. Die Geschichte zeigte er oft sehr düster als Schlachthaus.

In Orientierung an Brecht standen im Mittelpunkt der Geschichten aus der Produktion, wie Müller seine Stücke bezeichnete, die Probleme des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft wie »Traktor« (1955), »Der Lohndrücker« (1958).

1961, nach der Uraufführung des Stückes »Die Umsiedlerin«,führte die Aufführung zu seinem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR. Seine langjährige Arbeit als Dramatiker und Regisseur vollzog er zunächst am »Berliner Ensemble« und dann, ab 1976, an der »Volksbühne«.


1992 übernahm Müller gemeinsam mit Peter Zadek, Matthias Langhoff, Peter Palitzsch und Fritz Marquardt die Leitung des »Berliner Ensembles«.

Insbesondere mit den Stücken »Die Hamletmaschine« (1978) und »Wolokalamsker Chaussee I – V« (1987) gilt Müller als einer der innovativsten (wenn auch umstrittenen) deutschen Dramatiker der Gegenwart. Ausgezeichnet wurde er u. a. mit dem »Heinrich-Mann-Preis der DDR« (1959, gemeinsam mit Inge Müller), dem »Hamburger Lessing-Preis«¯ (1975), dem »Dramatiker-Preis der Stadt Mülheim a. d. R.« (1979), dem Georg-Büchner-Preis (1985), dem »Nationalpreis der DDR« (1986) und dem »Kleist-Preis« (1990).

Viele seiner Stücke wurden im Westen uraufgeführt, dennoch blieb ihm die DDR wichtig, "weil alle Trennlinien der Welt durch dieses Land gehen".

Hornbrille, Zigarre, dunkles Outfit und stets einen geistreichen Satz auf den Lippen: So ist der Dichter und Dramatiker Heiner Müller in Erinnerung geblieben – rein äußerlich gesehen.

Heiner Müller starb am 30. Dezember 1995 in Berlin. Heiner Müllers Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte.


Weblinks:

Heiner Müller – Weltautor mit DDR-Prägung - www.mdr.de

Das Licht der Finsternis - Zum 20. Todestag von Heiner Müller - www.tagesspiegel.de/kultur

Heiner Müller - Gespräch & Werkzitate - www.youtube.com


Literatur:

Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen
Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen
von Heiner Müller

Samstag, 12. August 2017

»Die neuen Leiden des jungen W« von Ulrich Plenzdorf

Die neuen Leiden des jungen W


»Die neuen Leiden des jungen W« ist ein autobiografisch gefärbter Roman des DDR-Schriftstellers Ulrich Plenzdorf. Darin wird die Geschichte des jungen Edgar Wibeau erzählt, der seine Lehre schmeißt, von zu Hause abhaut, sich ein Leben ohne Jeans nicht vorstellen kann und wie einst Goethes Werther in eine verheiratete Frau verliebt ist.

Edgar Wibeau ist 17 Jahre alt und steckt mitten in der Pubertät. Er begehrt wie Holden Cauldfield in H.D. Salingers »Der Fänger im Roggen« auf, eckt an - und stößt sich den Kopf besonders hart, denn in der DDR, wo er aufwächst, ist kaum Platz für Individualisten wie ihn.

So flüchtet er aus dieser Gesellschaft, versteckt sich in einer alten Laube und entdeckt dort bei der Lektüre von Goethes »Die Leiden des jungen Werther«, dass er mit diesem berühmtesten aller Liebeskranken einiges gemeinsam hat.


Das Buch beginnt mit zwei Todesanzeigen. Edgar Wiebeau ist durch einen Stromschlag gestorben. Eine von seinen Kollegen vom Bau und eine von seiner alleinerziehenden Mutter.

Der Vater liest den Tod des 17-Jährigen und beschließt Fakten über seine letzten Wochen zu sammeln, indem er alle, die Kontakt mit ihm hatten, zu den Geschehnissen befragt.

Die neuen Leiden des jungen W

Die neuen Leiden des jungen W

Das besondere bei der Ermittlung ist jedoch, dass nicht nur die Befragten und der Vater zu Wort kommen, sondern das auch Edgar sich aus dem Jenseits meldet und die Aussagen der Befragten für die Leser entweder korrigiert oder kommentiert.

Mit seinem Stück »Die neuen Leiden des jungen W.« gelang es Plenzdorf, die Ängste, Hoffnungen und das Lebensgefühl der Jugend in den 1970er Jahren in Ost- und Westdeutschland auf ungewöhnliche Art und Weise atmosphärisch einzufangen und auszudrücken.

Ulrich Plenzdorfs Name wird mit seinem berühmesten Werk »Die neuen Leiden des jungen Werther« untrennbar verbunden bleiben. Weltliteratur mit einem Kunstgriff: Er schrieb "seinen Werther" zeitgemäß und gesellschaftskritisch von Goethes Original ab und erfand "seine eigenen Werther".

»Die neuen Leiden des jungen W« ist ein Werther der DDR und ein sozialistischer »Gegenentwurf« zu den bürgerlichen Leiden des jungen Werthers. Die gedankliche Übertragung der Werther-Geschichte in die damalige sozialistische Gesellschaft impliziert die Annahme einer gestörten Beziehung des Helden zu eben dieser Gesellschaft und unterstellt ihr per analogiam ein wesentliches Defizit im Hinblick auf die proklamierte Entfaltung der Persönlichkeit.

Eine zusätzliche romantische Note bekommt der Liebesroman dadurch, daß er einem Land spielt, daß es über 25 Jahren nicht mehr gibt.
Der Autor hält es wohl mit Friedrich Dürrenmatt: "Eine Geschichte ist erst dann zu Ende erzählt, wenn sie die schlimmstmögliche Wendung genommen hat."


Weblinks:

Die neuen Leiden des jungen W. – Wikipedia

»Ein Werther der DDR« – Goethezeitportal – www.goethezeitportal.de

Literatur:

Die neuen Leiden des jungen W
Die neuen Leiden des jungen W
von Ulrich Plenzdorf


Blog-Artikel:

»Die Blumen des Bösen« von Charles Baudelaire

Charles Baudelaire 150. Todestag

»Die Leiden des jungen Werther« von Johann Wolfgang von Goethe

Ulrich Plenzdorf 10. Todestag

Clemens Brentano 175. Todestag

George Tabori 10. Todestag

»Walden oder Leben in den Wäldern« von Henry Thoreau


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Mittwoch, 9. August 2017

Ulrich Plenzdorf 10. Todestag

Ulrich Plenzdorf

Ulrich Plenzdorf starb vor 10 Jahren am 9. August 2007 in Berlin. Plenzdorf war ein ostdeutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Dramaturg. Er gilt als einer der bekanntesten Schriftsteller der DDR.

Seine Eltern wurden wegen ihrer Mitgliedschaft in der KPD während der Zeit des Nationalsozialismus mehrfach inhaftiert. Der gebürtige Kreuzberger kam 1950 mit seinen Eltern nach Ostberlin.

Von 1949 bis 1952 besuchte er die Schulfarm Scharfenberg in Himmelpfort bei Fürstenberg (Havel). 1950 zog die Familie von West- nach Ost-Berlin um, wo Plenzdorf 1954 in Lichtenberg das Abitur bestand.

In Leipzig studierte Plenzdorf anschließend Marxismus-Leninismus und Philosophie am Franz-Mehring-Institut der Karl-Marx-Universität Leipzig, verließ die Hochschule aber ohne Abschluss.

Ab 1959 besuchte er die Deutsche Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Ab 1963 arbeitete er als Szenarist und Dramaturg im DEFA-Studio Babelsberg. Parallel zu seinem Studium arbeitete Plenzdorf von 1955 bis 1958 als Bühnenarbeiter.


Das bekannteste Werk von Ulrich Plenzdorf ist das 1972 in Halle uraufgeführte Bühnenstück »Die neuen Leiden des jungen W«, eine zeitgemäße Adaption des von Goethes »Werther«, die ein Jahr später auch als Prosafassung erschien. »Die neuen Leiden des jungen W« ist ein Werther der DDR und ein sozialistischer »Gegenentwurf« zu den bürgerlichen Leiden des jungen Werthers.

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Ulrich Plenzdorf wurde am 26. Oktober 1934 in Berlin geboren. Der Schriftsteller war seit 1955 mit Helga Lieske verheiratet und hatte drei Kinder.


Literatur:

Die neuen Leiden des jungen W
Die neuen Leiden des jungen W
von Ulrich Plenzdorf

Legende vom Glück ohne Ende
Legende vom Glück ohne Ende
von Ulrich Plenzdorf


Blog-Artikel:

George Tabori 10. Todestag

»Walden oder Leben in den Wäldern«
von Henry Thoreau


Henry Thoreau 200. Geburtstag

Dramatiker Tankred Dorst gestorben

Daniil Granin ist tot

»Der Steppenwolf« von Hermann Hesse

Hermann Hesse 140. Geburtstag

Dienstag, 14. März 2017

Jurek Becker 20. Todestag

Jurek Becker

Jurek Becker starb am 14. März 1997 in Sieseby, Schleswig-Holstein. Jurek Becker war ein deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und DDR-Dissident.

Jurek Becker verbrachte die ersten Jahre seines Lebens in dem Ghetto seines Geburtsortes. Mit 7 Jahren (1944) wurde er von seinen Eltern getrennt und nach Sachsenhausen in das KZ-Außenlager (Wusterhausen) gebracht. Nachdem der Krieg zu Ende war, fand ihn sein Vater als Überlebender aus Auschwitz wieder. Abgesehen von ihm, seinem Vater und einer Tante, hat kein weiteres Familienmitglied die Kriegszeit überlebt.

1945 zogen Vater und Sohn nach Berlin-Ost und er machte dort im Jahr 1955 sein Abitur. Im Jahr 1957 fing er ein Philosophiestudium gegen den Willen seines Vaters an, denn dieser hoffte, dass sein Sohn einmal Arzt werden würde.

1960 wurde er nach sechs Semestern von der Universität gewiesen. Dies hatte politische Gründe, die aus der Überwachung durch die Stasi seit 1959 resultierten. Anschließend wurde er freier Schriftsteller.


1962 wurde Jurek Becker fest angestellter Drehbuchautor. Nachdem jedoch sein Drehbuch »Jakob der Lügner« 1968 abgelehnt wurde, änderte er es zu seinem ersten Roman um, welcher 1969 erschien.

Er schrieb Texte für das Kabarett »Die Distel« und Filmdrehbücher. Mitte der sechziger Jahre schrieb er das Drehbuch zum Film - eine Shoah-Geschichte. Das Drehbuch wird - trotz fehlender historischer Rolle der sowjetischen Befreier, trotz fehlenden Heroismus überhaut - von den Behörden der DDR genehmigt.

Sein berühmtestes Buch, »Jakob der Lügner«, wurde bisher zweimal verfilmt. Die Verfilmung durch die DEFA war für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert (1974).

Am Schreibtisch kann ich ein kleines bißchen fliegen.

Jurek Becker

Im Jahr 1976 unterzeichnete der politisch engagierte Jurek Becker mit elf weiteren Schriftstellern einen Brief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, was mit dem Ausschluss aus der SED und aus dem Vorstand des Schriftstellerverbands der DDR bestraft wurde. Der Roman »Der Boxer« erschien.

1977 trat Jurek Becker aus Protest gegen den Ausschluss Reiner Kunzes aus dem Schriftstellerverband aus und zog mit Genehmigung der DDR-Behörden in den Westen, da seine Bücher in der DDR nicht mehr verlegt und Filmprojekte abgelehnt wurden.

Von 1978 bis 1984 erschienen zwei weitere Romane »Schlaflose Tage« (1978) und »Aller Welt Freund« (1982) und eine Sammlung von Erzählungen »Nach der ersten Zukunft« (1980). Jurek Becker war Gastprofessor an Universitäten und hielt mehrere programmatische Vorträge.

Von 1978 bis 1984 erschienen zwei weitere Romane, »Schlaflose Tage« 1978 und »Aller Welt Freund« 1982. 1986 schrieb er das Drehbuch für die erfolgreiche Fernsehserie »Liebling Kreuzberg«, wofür er ein Jahr später mit Gold ausgezeichnet wurde. Sein Roman »Jakob der Lügner« wurde bisher zweimal Verfilmt. 1974 wurde das von der DEFA verfilmte Werk für einen Oscar nominiert.

Jurek Becker war bis 1976 im Vorstand des Schriftstellerverbandes der DDR und bekam unter anderem den Nationalpreis der DDR für Literatur.

Jurek Becker wurde vermutlich am 30. September 1937 in Łódź, Polen als Jerzy Bekker geboren.


Weblink:

Jakob der Lügner
Jakob der Lügner
von Jurek Becker


Blog-Artikel:

Martin Walser 90. Geburtstag

Henri Stendhal 175. Todestag

John Updike 85. Geburtstag

Mittwoch, 24. Februar 2016

Erich Loest 90. Geburtstag

Erich Loest

Erich Loest wurde am 24. Februar 1926 in Mittweida im Freistaat Sachsen geboren. Er war ein deutscher Schriftsteller. Erich Loest gehört zu den bekanntesten deutschen Autoren. Der Lebenslauf zeichnet noch einmal den Weg des deutschen Rebellen durch drei Gesellschaftssysteme nach.

Deutsche Geschichte hat Loest wie nur wenige andere Autoren auf wechselhafte Weise am eigenen Leib erfahren: Er war junger Soldat im Zweiten Weltkrieg und NSDAP-Mitglied, trat erst mit voller Überzeugung in die SED ein und später desillusioniert wieder aus. Er verbüßte sieben Jahre wegen "konterrevolutionärer Gruppenbildung" im gefürchteten Stasi-Knast in Bautzen - für ihn "gemordete Zeit", wie er in einer Autobiografie schrieb.



Empfohlene Bücher über Erich Loest:








1946 absolvierte der Sohn eines Eisenwarenhändlers ein Volontariat bei der "Leipziger Volkszeitung". Nach einer vernichtenden Kritik seines Roman-Debüts verlor Loest die Stelle - und wurde freier Schriftsteller. Allein zwischen 1965 und 1975 verfasste er elf Romane und 30 Erzählungen, teils unter Pseudonym, da er in der DDR noch verfemt war. Die Stasi hatte den ungeliebten Schriftsteller lange im Visier.


Schreiben war seine Waffe. Er gilt als Chronist deutsch-deutscher Geschichte. Loest lavierte sich als Opportunist durch zwei totalitäre Gesellschaftssysteme, die er schon als Jugendlicher erfuhr. Er erlebte das Ende des Krieges als "Werwolf", geriet in amerikanische Gefangenschaft und stürzte sich 1946 voller Leidenschaft in den sozialistischen Aufbau eines neuen Deutschlands.



Der 17. Juni 1953 erschütterte sein Weltbild nachhaltig. In jenen Tagen kam es in der DDR zu einer Welle von Streiks, Demonstrationen und Protesten, die mit politischen und wirtschaftlichen Forderungen verbunden waren. Dieses Aufbegehren wurde von den sowjetischen Behörden allerdings gewaltsam niedergedrückt. Erich Loest übte öffentlich Kritik und wurde 1957 für sieben Jahre ins Zuchthaus Bautzen verbannt. Es gelang dem Regime aber nicht, Loest zum Angepassten zu machen.


Nach seinem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband übersiedelte Loest 1981 in die Bundesrepublik. Er schrieb wichtige Romane, blieb ein kritischer Geist, ein kämpferischer, aufrechter Autor. Nach dem Zusammenbruch der DDR kehrte er in seine Heimatstadt Leipzig zurück, schrieb den wichtigen Wenderoman "Nikolaikirche" und war einer der bedeutendsten Chronisten der Nachkriegsgeschichte Deutschlands.

Zu seinen bekanntesten Romanen gehören "Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene" (1977), "Völkerschlachtdenkmal" (1984), "Nikolaikirche" (1995) und "Sommergewiter" (2005). Seine Werke sind eine Hommage an seine Heimatstadt Leipzig. Erich Loest starb am 12. September 2013 in Leipzig.

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Heiner Müller 20. Todestag

Heiner Müller

Heiner Müller 20. Todestag jährt sich am 30. Dezember. Er starb am 30. Dezember 1995 in Berlin. Er gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bedeutung erlangte Heiner Müller außerdem als Lyriker, Prosa-Autor und Essayist, Interviewpartner sowie als Regisseur, Dramaturg, Intendant und Präsident der »Akademie der Künste« in Ost-Berlin.

Heiner Müller war einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Heiner Müller ist einer der großen, weltbekannten, deutschen Dramatiker und ein Weltautor mit DDR-Prägung. Der Dichter und Stückeschreiber, dieser scharfsinnigste Kopf der DDR, ist nach Brecht ein Intellektueller von Weltrang,

Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen
Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen

Heiner Müller gehört zu den meistgespielten deutschsprachigen Theaterautoren der Gegenwart, zurzeit jedoch eher in Frankreich und Griechenland, in Lateinamerika oder Japan als an deutschen Bühnen. Müllers Lebensthema waren Revolution und Konterrevolution. Die Geschichte zeigte er oft sehr düster als Schlachthaus.

In Orientierung an Brecht standen im Mittelpunkt der Geschichten aus der Produktion, wie Müller seine Stücke bezeichnete, die Probleme des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft wie »Traktor« (1955), »Der Lohndrücker« (1958).

1961, nach der Uraufführung des Stückes »Die Umsiedlerin«, führte die Aufführung zu seinem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR. Seine langjährige Arbeit als Dramatiker und Regisseur vollzog er zunächst am »Berliner Ensemble« und dann, ab 1976, an der »Volksbühne«.


1992 übernahm Müller gemeinsam mit Peter Zadek, Matthias Langhoff, Peter Palitzsch und Fritz Marquardt die Leitung des »Berliner Ensembles«.

Insbesondere mit den Stücken »Die Hamletmaschine« (1978) und »Wolokalamsker Chaussee I – V« (1987) gilt Müller als einer der innovativsten (wenn auch umstrittenen) deutschen Dramatiker der Gegenwart. Ausgezeichnet wurde er u. a. mit dem »Heinrich-Mann-Preis der DDR« (1959, gemeinsam mit Inge Müller), dem »Hamburger Lessing-Preis«¯ (1975), dem »Dramatiker-Preis der Stadt Mülheim a. d. R.« (1979), dem Georg-Büchner-Preis (1985), dem »Nationalpreis der DDR« (1986) und dem »Kleist-Preis« (1990).

Viele seiner Stücke wurden im Westen uraufgeführt, dennoch blieb ihm die DDR wichtig, "weil alle Trennlinien der Welt durch dieses Land gehen".

Heiner Müller wurde am 9. Januar 1929 in Eppendorf, Sachsen geboren. 1929 kam er in Eppendorf, einem kleinen Dorf im sächsischen Erzgebirge, zur Welt. Heiner Müllers Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte.

Weblinks:

Heiner Müller – Weltautor mit DDR-Prägung - www.mdr.de

Das Licht der Finsternis - Zum 20. Todestag von Heiner Müller - www.tagesspiegel.de/kultur

Buch:

Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen
Krieg ohne Schlacht: Leben in zwei Diktaturen
von Heiner Müller

Samstag, 18. April 2015

»Abendlicht« von Stephan Hermlin

Abendlicht
Abendlicht

Stephan Hermlin, ein bedeutender Dichter und Kulturfunktionär der DDR, hält Rückschau auf sein Leben und verklärt seine eigene Sage mild im Abendlicht - einem Epos der Verklärung.

Der sozialistische "homme de lettre" erinnert sich an Beobachtungen und Erfahrungen eines jungen Mannes aus gebildeter bürgerlicher Familie, der auf der Straße zum Kommunisten wird und so beides aus fremder Nähe wahrnimmt. An das Großbürgertum, das die heraufkommenden Nazis als barbarische Horde abtut, und die Arbeiter, die sich hilflos und oft schwankend widersetzen.

Im Zentrum des Interesses stehen nicht Natur oder Kunst, sondern die politischen Entwicklungen in der ausgehenden Weimarer Republik und in der Zeit der Etablierung der nationalsozialistischen Herrschaft. Ein Angelpunkt ist dabei der 1931 erfolgte Eintritt des Erzählers in den kommunistischen Jugendverband, der zu einem weitgehenden Bruch mit seinem großbürgerlichen Umfeld führt.

Dieser Schritt wird zwar durch das Versagen des Bürgertums gegenüber dem aufkommenden Faschismus plausibel gemacht, jedoch die Widersprüche zwischen dem weiterhin künstlerisch ambitionierten Ich-Erzähler und den Anforderungen der damals an Stalin orientierten kommunistischen Organisationen nicht immer schlüssig glattgezogen.

Als "sozialistischer Grandseigneur" hatte er an seinem bürgerlichen Literaturgeschmack festgehalten und in seiner "Abendlicht"-Prosa Stimmungen wie diese beschworen:




"Und der Himmel da oben, wie ist er so weit … über den fernen Berg hinweg zog er den Blick nach oben, ließ ihn von Tiefe zu Tiefe stürzen, denn die Tiefe war nicht nur unten in den Gewässern, sie umgab mich von allen Seiten, ihr anderer Name war Stille, nirgendwo war sie tiefer als im Blau da oben…"




Ein Dokument aus heroischer Zeit der Kämpfe zwischen Himmel und Hölle, kommunistischer Utopie und babarbarischem Faschismus, sollte den Lesern hüben und drüben vor Augen führen, dass es damals nicht so einfach war, ein äußerst guter, tadelloser Mensch zu sein, der sich eindeutig von allem Bösen abhalten und abgrenzen konnte. Und doch schien genau das geglückt im Lebenslauf des Stefan Hermlin.

Er war zwar ein Freund Erich Honneckers und hielt felsenfest zum Regime der DDR, aber er konnte es sich deshalb auch leisten, gegen die Ausbürgerung Biermanns zu protestieren. Als wollte er damit sagen, wenn ihr dem Regime genügend Appllaus spendet, dann duldet es auch eure Kritik hin und wieder. Seiner Tochter, sie war längst an sich für den diplomatischen Dienst vorgesehen, aber sie wurde auch ein Groupie von Biermann, wollte genau das nicht gelingen, drum musste auch sie nicht fliehen, doch mit Möbelwagen als persona non grata ausgebürgert werden.

Als die Sage seines Lebens, zwischen Bericht und schön geschriebener Parabel 1979 unter dem Titel "Abendlicht" bei Wagenbach erschien, war das Feuilleton in Ost und West gleichermaßen begeistert.

Weblinks:

Abendlicht
Abendlicht
von Stephan Hermlin

Dichtung und Wahrheit: Zum Fall Stephan Hermlin - www2.dickinson.edu

Montag, 13. April 2015

Stephan Hermlin 100. Geburtstag

Stephan Hermlin

Stephan Hermlin wurde vor 100 Jahren am 13. April 1915 in Chemnitz geboren. Hermlin - eigentlich Rudolf Leder - war ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer und ein einflußreicher Kulturfunktionärin der DDR. Stephan Hermlin gilt als einer der anerkannten und wichtigsten Schriftsteller der DDR. Er verstand sich als Mittler zwischen Literatur und Politik. Als "sozialistischer Grandseigneur" hatte er an seinem bürgerlichen Literaturgeschmack festgehalten.

Er trat als Erzähler, Lyriker, Übersetzer, Herausgeber und prononcierter Kritiker ebenso in Erscheinung wie als Verfasser von Reportagen, eines Hörspiels und einer Nacherzählung. Hermlin stach durch seine Erzählungen, Essays und Lyrik hervor und war einer der bekanntesten Schriftsteller der DDR. Sein Werk erstreckt sich über zahlreiche Gattungen. Darüber hinaus wirkte er im Rundfunk. Einige seiner Erzählungen wurden durch die DEFA verfilmt.

1931 schloß er sich den Kommunisten an, arbeitete nach 1933 drei Jahre im Untergrund, bevor nach Frankreich emigrierte und sich der Résistance anschloss. Nach dem Krieg kehrte er nach Deutschland zurück, zunächst nach Frankfurt am Main, wo er als Rundfunkredakteur arbeitete. Seit 1947 lebte Hermlin in Ost-Berlin und war Mitarbeiter in den Zeitschriftenredaktionen der „Täglichen Rundschau“ (Tageszeitung der Sowjetischen Militäradministration), von „Ulenspiegel“, „Aufbau“ sowie „Sinn und Form“.

Hermlin arbeitete in wichtigen Gremien der sowjetischen Besatzungszone und wurde nach 1949 schnell einer der einflussreichsten Schriftsteller der neu gegründeten DDR. Der Lyriker, Prosaautor und Übersetzer - unter anderem Nerudas und Aragons - wurde rasch einer der wichtigsten DDR-Autoren, der als Mitglied des PEN und als Teilnehmer vieler Kongresse auch international sehr präsent war.

1949 schrieb er sein berühmtes Gedicht "Die Asche von Birkenau", das von Günter Kochan vertont wurde. Als enger Freund von Erich Honecker verstand sich Hermlin zu dieser Zeit als Protagonist sozialistischer Kulturpolitik, engagierte sich aber auch als Mittler zwischen Literatur und Politik.

1976 gehörte Hermlin zu den Initiatoren des Protestes prominenter Schriftsteller gegen die Ausweisung von Wolf Biermann. Nach seinem Engagement für Wolf Biermann erhielt Stephan Hermlin eine strenge Parteirüge und wurde fortan noch gründlicher von der Stasi überwacht. Er wurde jedoch nicht aus der SED ausgeschlossen und äußerte sich weiterhin als überzeugter Kommunist.

Als die Sage seines Lebens, zwischen Bericht und schön geschriebener Parabel 1979 unter demn Titel "Abendlicht" bei Wagenbach erschien, war das Feuilleton in Ost und West gleichermaßen begeistert.

Gegen die offizielle Politik der Ost-West-Konfrontation organisierte Hermlin im Dezember 1981 die Berliner Begegnung zur Friedensförderung, ein deutsch-deutsches Schriftstellertreffen.

Hermlin war Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, der Akademie der Künste der DDR und seit 1976 auch der Akademie der Künste West-Berlin. Hermlin engagierte sich in zahlreichen Gremien und Vorständen aktiv auf dem kulturpolitischen Felde und in der internationalen Friedensbewegung.

Er bekleidete zeitweise einflußreiche Positionen im Vorstand des Schriftstellerverbandes der DDR, als Sekretär der Sektion Dichtkunst und Sprachpflege in der Akademie der Künste der DDR und als Vizepräsident des internationalen PEN.

Stephan Hermlin starb am 6. April 1997 in Berlin. Bei seinem Tod im April 1997 rief man ihm nach, er sei "der letzte Kommunist" des 20. Jahrhunderts gewesen, wenn allerdings nur noch als "literarisierte Erscheinung". Den Untergang der DDR erlebte er als Trauma. Wie schwer Hermlin das Wendejahr 1989 getroffen hatte und wie sehr er den Untergang der DDR als Scheitern seines persönlichen Lebens empfand, gab er kurz vor seinem Tod auch zu.



Weblinks:

Stephan Hermlin - www.hermlin.de

Dichtung und Wahrheit: Zum Fall Stephan Hermlin - www2.dickinson.edu



Literatur:

In den Kämpfen dieser Zeit
In den Kämpfen dieser Zeit
von Stephan Hermlin

Abendlicht
Abendlicht
von Stephan Hermlin

Mittwoch, 12. November 2014

Der Wenderoman - eine Gattung mit Tücken

Letztes Schweigen
Letztes Schweigen

Der Wenderoman ist längst zu einer eigenen literarischen Gattung geworden. Uwe Tellkamp, Ingo Schulze, Erich Loest haben einen solchen Wenderoman geschrieben und darin von ihren Gefühlen und Erlebnissen erzählt. Meist sind seine Protagonisten jedoch Privilegierte und Angepasste im "Arbeiter- und Bauernstaat".

Diese die Wendezeit thematisierende Literatur erzählt nur allzu oft vom Denken und Handeln gegen die DDR-Obrigkeit oder von Opfern des Systems. Häufig ist darin jedoch nur vom verfolgten Bildungsbürgertum im "Arbeiter- und Bauernstaat" die Rede. Arbeiter und Bauern konnen darin nur selten vor. Sie werden zu Statisten ihrer eigenen Geschichte.

Der Roman "Letztes Schweigen" von Volker H. Altwasser ist da etwas anders. Privilegiert sind seine Protagonisten nicht. Keine Großstadt, dafür ein Dorf, keine Villa, dafür ein Hof, keine offene Rotweinrunden mit Hausmusik, dafür versteckte Schnapsflaschen und keine Gespräche über Kommunismus und Gott, dafür Schweigen.

Dieser bewegende Roman erzählt vom wahren Leben in der DDR aus der Sicht eines ungeliebten Kindes, welches Kraft seiner eigenartigen Phantasie einen Weg aus der Trostlosigkeit findet und doch der ewige Außenseiter bleiben wird.

Weblink:

Letztes Schweigen
Letztes Schweigen
von Volker Harry Altwasser

Montag, 27. Oktober 2014

»Die neuen Leiden des jungen W« von Ulrich Plenzdorf

Die neuen Leiden des jungen W

Das bekannteste Werk von Ulrich Plenzdorf ist das 1972 in Halle uraufgeführte Bühnenstück »Die neuen Leiden des jungen W«, eine zeitgemäße Adaption des von Goethes »Werther«, die ein Jahr auch als Prosafassung erschien.

Die Bühnenfassung wurde am 18. Mai 1973 im Landestheater in Halle uraufgeführt. Ebenfalls 1973 erschien die sich von der ersten Prosafassung kaum unterscheidende Romanfassung in ganz Deutschland.

Die Handlung erzählt, dass der siebzehnjährige DDR-Jugendliche nach einem Konflikt seine Ausbildung abbricht und in eine abrissbereite Laube nach Berlin zieht. Edgar Wiebeau war ein Musterschüler und zudem noch der Sohn der Werksleiterin.

»Die neuen Leiden des jungen W« ist ein Werther der DDR. Darin wird die Geschichte des jungen Edgar Wibeau erzählt, der seine Lehre schmeißt, von zu Hause abhaut, sich ein Leben ohne Jeans nicht vorstellen kann und wie einst Goethes Werther in eine verheiratete Frau verliebt ist.

Edgar Wibeau ist 17 Jahre alt und steckt mitten in der Pubertät. Er begehrt auf, eckt an - und stößt sich den Kopf besonders hart, denn in der DDR, wo er aufwächst, ist kaum Platz für Individualisten wie ihn.

So flüchtet er aus dieser Gesellschaft, versteckt sich in einer alten Laube und entdeckt dort bei der Lektüre von Goethes »Die Leiden des jungen Werther«, dass er mit diesem berühmtesten aller Liebeskranken einiges gemeinsam hat.


Das Buch beginnt mit zwei Todesanzeigen. Edgar Wiebeau ist durch einen Stromschlag gestorben. Eine von seinen Kollegen vom Bau und eine von seiner alleinerziehenden Mutter.

Der Vater liest den Tod des 17-Jährigen und beschließt Fakten über seine letzten Wochen zu sammeln indem er alle, die Kontakt mit ihm hatten, zu den Geschehnissen befragt.

Die neuen Leiden des jungen W

Die neuen Leiden des jungen W


Das besondere bei der Ermittlung ist jedoch, dass nicht nur die Befragten und der Vater zu Wort kommen, sondern das auch Edgar sich aus dem Jenseits meldet und die Aussagen der Befragten für die Leser entweder korrigiert oder kommentiert.

Mit seinem Stück »Die neuen Leiden des jungen W.« gelang es Plenzdorf, die Ängste, Hoffnungen und das Lebensgefühl der Jugend in den 1970er Jahren in Ost- und Westdeutschland auf ungewöhnliche Art und Weise atmosphärisch einzufangen und auszudrücken.

Ulrich Plenzdorfs Name wird mit seinem berühmesten Werk »Die neuen Leiden des jungen Werther« untrennbar verbunden bleiben. Er schrieb "seinen Werther" zeitgemäß und gesellschaftskritisch von Goethes Original ab.

Weblinks:

Die neuen Leiden des jungen W. – Wikipedia

»Ein Werther der DDR« – Goethezeitportal – www.goethezeitportal.de

Literatur:

Die neuen Leiden des jungen W
Die neuen Leiden des jungen W
von Ulrich Plenzdorf

Sonntag, 26. Oktober 2014

Ulrich Plenzdorf 80. Geburtstag

Ulrich Plenzdorf

Ulrich Plenzdorf wurde am 26. Oktober 1934 in Berlin geboren. Plenzdorf war ein ostdeutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Dramaturg. Er gilt als einer der bekanntesten Schriftsteller der DDR.

Seine Eltern wurden wegen ihrer Mitgliedschaft in der KPD während der Zeit des Nationalsozialismus mehrfach inhaftiert. Der gebürtige Kreuzberger kam 1950 mit seinen Eltern nach Ostberlin.


Von 1949 bis 1952 besuchte er die Schulfarm Scharfenberg in Himmelpfort bei Fürstenberg (Havel). 1950 zog die Familie von West- nach Ost-Berlin um, wo Plenzdorf 1954 in Lichtenberg das Abitur bestand.

In Leipzig studierte Plenzdorf anschließend Marxismus-Leninismus und Philosophie am Franz-Mehring-Institut der Karl-Marx-Universität Leipzig, verließ die Hochschule aber ohne Abschluss.

Ab 1959 besuchte er die Deutsche Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Ab 1963 arbeitete er als Szenarist und Dramaturg im DEFA-Studio Babelsberg. Parallel zu seinem Studium arbeitete Plenzdorf von 1955 bis 1958 als Bühnenarbeiter.


Das bekannteste Werk von Ulrich Plenzdorf ist das 1972 in Halle uraufgeführte Bühnenstück »Die neuen Leiden des jungen W«, eine zeitgemäße Adaption des von Goethes »Werther«, die ein Jahr später auch als Prosafassung erschien.

Mit seinem Stück »Die neuen Leiden des jungen W.« gelang es Plenzdorf, die Ängste, Hoffnungen und das Lebensgefühl der Jugend in den 1970er Jahren in Ost- und Westdeutschland auf ungewöhnliche Art und Weise atmosphärisch einzufangen und auszudrücken.

Plenzdorf konnte, so wie ein Böll, Brecht oder Strittmatter das wahre Leben zwischen die Deckel eines Buches bringen. Menschen, Orte, Geschichten und Träume, die wir jeden Tag sehen, hören und leben.

Plenzdorf machte sich aber vor allem auch als Drehbuchautor einen Namen. Von ihm stammen die Drehbücher zu dem von Heiner Carow gedrehten Kinofilm »Die Legende von Paul und Paula«, die Hans-Fallada-Verfilmung »Der Trinker« mit Harald Juhnke oder Frank Beyers Film »Abgehauen« nach der Autobiografie von Manfred Krug.

Er schrieb auch die Drehbücher der vierten von den fünf Staffeln von Jurek Beckers ARD-Fernsehserie »Liebling Kreuzberg«.

Seit 1992 war der DDR-Schriftsteller Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Im Jahr 2004 hatte er eine Gastdozentur am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig inne.

Ulrich Plenzdorfs Name wird aber vor allem mit seinem berühmtesten Werk »Die neuen Leiden des jungen Werther« untrennbar verbunden bleiben. Er schrieb "seinen Werther" zeitgemäß und gesellschaftskritisch von Goethes Original ab.

Der Schriftsteller war seit 1955 mit Helga Lieske verheiratet und hatte drei Kinder. Ulrich Plenzdorf starb am 9. August 2007 in Berlin.


Literatur:

Die neuen Leiden des jungen W
Die neuen Leiden des jungen W
von Ulrich Plenzdorf

Legende vom Glück ohne Ende
Legende vom Glück ohne Ende
von Ulrich Plenzdorf

Mittwoch, 26. Februar 2014

»Mutmassungen über Jakob« von Uwe Johnson

Mutmassungen über Jakob
Mutmassungen über Jakob

Der Roman »Mutmassungen über Jakob« von Uwe Johnson schildert einen Lebensabschnitt des Bahnangestellten Jakob Abs, der nach und nach in die Fänge der Staatssicherheit gerät. In kunstvoll miteinander verwobenen Dialogstücken, Monologen und Beschreibungen erzählt Uwe Johnson aus ganz unterschiedlichen Erzählperspektiven vom Leben des stillen und pflichtbewussten Jakob Abs. Am Ende stirbt Jakob bei einem Zugunglück - ein Ereignis, das bereits am Anfang der Erzählung vorausgenommen wird, wobei sich die Frage stellt, ob hier wirklich nur ein Unfall geschehen ist.

»Mutmassungen über Jakob« ist einer der großen Romane der Nachkriegszeit und das Debüt eines der wichtigsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Der Roman wurde von seinem Verfasser noch in der DDR niedergeschrieben, bevor der Autor kurz danach nach West-Berlin übergesiedelt ist. Als sein richtiger Name auf die Titelseite des Buches in der BRD gedruckt wurde, zog er nach West-Berlin um – als Flüchtling wollte er nicht gelten.

Kaum ein Autor hat wohl die Lebensumstände der Menschen in der DDR prägnanter und zugleich einfühlsamer gefaßt als Uwe Johnson. Sein vielleicht berühmtestes Werk »Mutmassungen über Jakob« ist 1959 in der Bundesrepublik erschienen. Uwe Johnsons Debütroman »Mutmassungen über Jakob« war die aufsehenerregende Neuerscheinung des Suhrkamp Verlags zur Frankfurter Buchmesse 1959.

Weblink:
Mutmassungen über Jakob
Mutmassungen über Jakob
von Uwe Johnson