Mittwoch, 15. Mai 2019

»Die Menschliche Komödie« von Honoré de Balzac


Ein Romacier setzt der Zeit ein Denkmal und entwirft nach dem Vorbild von Dante Alighieris »Göttlicher Komödie« das Portrait einer ganzen Epoche. Dieser Romancier ist Honoré de Balzac, der Schöpfer der »Comédie humaine«, eines Mammutprojekts von 91 Romanen und Erzählungen. Sie bilden die Jahre der napoleonischen Ära, der Restauration und der Julimonarchie in Frankreich mit grösstmöglicher Vollständigkeit ab, von den Spitzen der Gesellschaft bis in die Gosse, quer durch alle Stände, Berufsgruppen und Charaktere.

2.500 Personen bevölkern dieses einzigartige Zweit-Universum, 600 von ihnen kehren in mehreren Büchern wieder, einige werden dem Leser so vertraut wie seine Nachbarn. Seine opultenten Romanfiguren sind Helden des Realismus


Die »Menschliche Komödie« war Balzacs Lebenswerk, das er in seinem unermüdlichen Schöpfertum jedoch nicht mehr vollenden konnte. Nur 91 der geplanten 137 Romane und Erzählungen vermochte er bis zu seinem Tode fertigzustellen. Die menschliche Komödie umfasst sowohl Essays als auch realistische Romane, Kurzgeschichten, Erzählungen, 25 unvollendete Werke aber auch 8 Frühwerke, die zwischen 1822 und 1825 verfasst wurden.


Balzac verwendet eine besondere Technik, in dem er die Einzelromane zu einem komplexen System verbindet, im Rahmen dessen die Personen von Roman zu Roman immer wieder in Erscheinung treten. Mit dieser literarischen Innovation will Balzac ein umfassendes (Sitten-)Gemälde der französischen Gesellschaft der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwerfen: „Die Unermeßlichkeit eines Planes, der zugleich die Geschichte und die Kritik der Gesellschaft, die Analyse ihrer Übel und die Erörterung ihrer Prinzipien umfasst, berechtigt mich, so scheint es mir, meinem Werk den Titel zu geben, unter dem es heute erscheint: Die Menschliche Komödie.“

Der Schöpfer und sein Schöpfertum - In dieses einzige, unvollendete und unvollendbare Werk, das wie Dantes «Göttliche Komödie» eine ganze Welt umfassen sollte, investierte Balzac in unerschöpflicher Fülle seine Beobachtungen, Erfahrungen, Ahnungen, Imaginationen und Visionen, die einer erstaunlichen Wahrnehmungsfähigkeit für das entsprangen, was er in seinem spätesten Roman, «Die Bauern», die «Tendenzen meiner Epoche» nennt.

»Der Mensch muß bestimmte Leidenschaften empfinden, um jene Eigenschaften zu entwickeln,
die sein Leben adeln, indem er seinen Kreis erweitert und die allen Wesen natürliche Selbstsucht mildert.«

In Balzacs Werk begegnen sich ein Temperament und Glanz und Elend einer Zeit. Der sich an die Gestalten seiner Imagination verschwendende Balzac versteht sich in einer Welt gewaltiger Umbrüche und fieberhafter Verausgabungen. Mitte dieser Welt und dieser Zeit ist die Weltstadt Paris, die Balzac, der unermüdliche Paris-Flaneur, wie kein Zweiter bis in ihre verborgensten Winkel kennt.


Die »Menschliche Komödie« von Honoré de Balzac setzt der Zeit, in der sie entstand, ein literarisches Denkmal. Mittelpunkt sind die moderne Weltstadt Paris und ihre Gesellschaft. Das Urbild von Balzacs bürgerlichen Helden ist Napoleon: Wie er steigen und fallen sie.
Die menschliche Komödie

Das Riesenwerk seiner »Menschlichen Komödie«, das in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts begonnen wurde, aber erst 1842 seinen endgültigen Titel fand und das sich bis zu seinem Tod 1850 immer wieder erweiterte und veränderte, war eine abenteuerliche Finanzspekulation, aber zugleich, und das allein zählt, eine Phantasmagorie der modernen Welt und ihres Mittelpunkts Paris.

Wie kein anderer hat er die gesellschaftlichen Kräfte erfasst, die in Paris aufeinanderstossen, wo die Revolution dem Ancien Régime ein Ende gesetzt hatte, wo Napoleon seine Triumphe feierte, wo die Restauration an das alte Frankreich anzuknüpfen suchte und doch in eine ungewisse Moderne aufbrach und wo die Julirevolution von 1830 der Stadt noch einmal ein neues Gesicht gab.

Die wichtigsten Bücher aus diesem unvollständig gebliebenen Werk mit 40 Bänden sind
»Das Chagrinleder« (1831), Eugénie Grandet (1834), »Vater Goriot« (1834/35), »Oberst Chabert« (1837), »Verlorene Illusionen« (1837–1843), »Glanz und Elend der Kurtisanen« (1838–1844), »Die Frau von dreißig Jahren« (1842).

Literatur:


Die menschliche Komödie
Die menschliche Komödie
von Honoré de Balzac


Die menschliche Komödie
Die menschliche Komödie
von Honoré de Balzac


Weblink:

Von den Spitzen der Gesellschaft bis in die Gosse - www.deutschlandfunk.de


Blog-Artikel:

»Göttliche Komödie« von Dante Alighieri - Literatenwelt-Blog - literatenwelt.blogspot.de


Videos:

Honoré de BALZAC - La Comédie Humaine 01, Scènes

Balzac: Comédie humaine

Samstag, 11. Mai 2019

»Frantumaglia: Mein geschriebenes Leben« von Elena Ferrante

Elena Ferrante

Elena Ferrante ist die große Unbekannte der Gegenwartsliteratur. In Neapel geboren, hat sie sich mit dem Erscheinen ihres Debütromans im Jahr 1992 für die Anonymität entschieden. Niemand kennt ihr Gesicht, nur die Stimmen ihre Helden sprechen uns an. Immer wieder versuchten Journalisten, das Geheimnis der anonymen Autorin zu enthüllen.

Ihre Neapel-Bücher sind weltweit Bestseller, doch die Identität der Erfolgsautorin konnte bislang geheim bleiben. Die streng gehütete Identität der italienischen Erfolgschriftstellerin Elena Ferrante ("Meine geniale Freundin") ist bislang noch immer nicht geklärt. Jetzt lüftet die Autorin selbst den Schleier - zumindest etwas.

»Frantumaglia: Mein geschriebenes Leben« von Elena Ferrante

Die Autorin beherrscht die Kunst, sich zu enthüllen, ohne dabei ihre Identität preiszugeben. In ihrem neuen Buch schildert sie ihr Leben und gibt darin ein Stück weit auch etwas von dem Geheimnis preis, welches die anonyme Autorin wie einen Schleier umgibt. Es ist ihr geschriebenes Leben, denn Elena Ferrante hatte betont, daß in ihrem Leben nichts als Schreiben zähle.

»Frantumaglia« - es ist Elena Ferrantes Mutter, eine Schneiderin, die ihrer Tochter dieses seltsame Wort hinterlässt – es stammt aus dem neapolitanischen Dialekt, aus der Welt der verknoteten Fäden und der aufgetrennten Nähte, ein Sinnbild für Unaussprechliches, Verwirrendes. Und ein Sinnbild eben auch für die Empfindungen und Ideen, die Elena Ferrantes Leben prägen – und über die sie sich hier Klarheit verschafft.

Das Buch gibt in seinen Details ein wenig Aufschluß über ihr Leben, ohne jedoch das Geheimnis ihrer Person preiszugeben. Die Weltautorin erzählt von ihrer neapolitanischen Herkunft, von ihrer Kindheit als ein unerschöpfliches Archiv aus Erinnerungen, Eindrücken, Fantasien, sie erläutert ihr Verhältnis zur Psychologie und zu Frauenfragen, sie diskutiert ihre Haltung zur Öffentlichkeit und spricht über heutige Bedenken und Begeisterungen.

Briefe, Aufsätze und Interviews aus über fünfundzwanzig Jahren verflechten sich zu dem lebhaften Selbstporträt einer außergewöhnlichen Autorin. Elena Ferrante beantwortet in den Frantumaglia die wichtigsten der Fragen ihrer Leserinnen und Leser, sie zeigt sich so offen wie nie zuvor – und bleibt dennoch auch weiterhin faszinierend fremd.


Vielleicht hat die Autorn ja etwas von dieser Frantumaglia verspürt, als sie dieses Buch geschrieben hat. -
Abschließend noch eine Anmerkung zu dem geheimnisvollen Schleier: Elena Ferrante hatte bereits erklärt, daß sie im Fallle der Enthüllung ihrer Identität kein Buch mehr schreiben wolle.


Weblinks:

Inkognito von Autorin Elena Ferrante gelüftet? - www.dw.com

Gespräch mit Iris Radisch über Elena Ferrante - Youtube - www.youtube.com

Literatur:

»Frantumaglia: Mein geschriebenes Leben« von Elena Ferrante

»Meine geniale Freundin« von Elena Ferrante
Meine geniale Freundin: Band 1 der Neapolitanischen Saga (Kindheit und frühe Jugend)
von Elena Ferrante

Mittwoch, 8. Mai 2019

Volker Braun 80. Geburtstag

Volker Braun

Volker Braun wurde vor 80 Jahren am 7. Mai 1939 in Dresden geboren. Volker Braun ist ein deutscher Schriftsteller und Lyriker, ein Literat, der sich immer als Lyriker sah. Er zählte neben Peter Hacks und Heiner Müller zu den bedeutendsten Dramatikern der DDR. Sein vielfältiges Werk umfasst neben Theatertexten Gedichte, Romane, Erzählungen und Hörspiele.

Volker Braun gehörte zu den bedeutendsten kritischen Schriftstellern der DDR. Nach dem Mauerfall bewahrte er sich seine Produktivität und setzte sein Schaffen nahtlos fort. Seit 1990 veröffentlichte er mehr als 20 Bücher. Dabei erstaunt immer die Vielfalt der Genres, die er beherrscht: Neben Theaterstücken verfasste er unter anderem Lyrik, Erzählungen, Romane und Essays.

Volker Braun arbeitete in einer Druckerei in Dresden, als Tiefbauarbeiter im Kombinat Schwarze Pumpe und absolvierte einen Facharbeiterlehrgang im Tagebau Burghammer. Nach seinem anschließenden Philosophiestudium in Leipzig wurde er Dramaturg am Berliner Ensemble.

Bekannt wurde Braun zunächst vor allem als Lyriker. Seit 1960 war er Mitglied der SED. Gleichwohl galt er in der DDR als staatskritisch, und oft gelang es ihm nur unter Einsatz taktischen Geschicks, seine Prosa oder Gedichte zu veröffentlichen. Er verstand sich von Beginn an als dezidiert politischer Autor in der kritischen Nachfolge von Bertolt Brecht. Dreh- und Angelpunkt seines Werkes waren die Widersprüche zwischen der sozialistischen Utopie auf der einen und der Realität des Staatssozialismus auf der anderen Seite.

Volker Braun ist in seinem Denken ein Dialektiker. Die treibende Kraft seiner Inspiration speist sich aus der Widersprüchlichkeit der Welt. Das verwundert kaum, denn ursprünglich studierte der Schriftsteller Philosophie in Leipzig. Damals entwarf er erste Texte, die allerdings noch sehr systemkonform wirkten.

Zu kritisch seine Töne, um in der DDR als Staatsschriftsteller zu gelten.

Doch spätestens nach dem Scheitern des Prager Frühlings entfernte er sich von der Staatsdoktrin. Diese Wandlung schlug sich auch darin nieder, dass er 1976 zu den Befürwortern der Protest-Resolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns gehörte. Zu dieser Zeit galt Volker Braun neben Peter Hacks und Heiner Müller als wichtiger Theaterguru, doch für ihn standen die Bühnenstücke nie im Zentrum seines Schaffens, denn er begriff und begreift sich primär als Lyriker.

Dresden ist für Volker Braun kein Tal der Ahnungslosen, sondern eine Denklandschaft. Als linker Intellektueller in der Tradition Bertolt Brechts glaubte er an die Idee des Sozialismus, sah sich aber täglich mit den Auswüchsen des Stalinismus konfrontiert, die seine Träume zunichte machten.

In der DDR wurden Brauns Arbeiten massiv behindert: „jedes buch ein kampf, ein feilschen, ein tricksen.“ Doch davon lässt sich der 1939 in Dresden geborene Autor nicht einschüchtern und kritisiert weiterhin die gesellschaftlichen Zustände in der DDR. Das führt dazu, dass er auf Aufführungsgenehmigungen für Stücke wie „Guevara oder der Sonnenstaat“, „Der große Frieden“, „Dmitri“, „Schmitten“ oder „Lenins Tod“ oft Jahre warten muss. Nicht anders ergeht es den Gedichtbänden und Prosaarbeiten.

1983 wurde Volker Braun Mitglied der Akademie der Künste der DDR, 1993 der (gesamtdeutschen) Akademie der Künste in Berlin. 1996 erfolgte die Aufnahme in die Sächsische Akademie der Künste und in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Im Wintersemester 1999/2000 erhielt er die Brüder-Grimm-Professur an der Universität Kassel. Von 2006 bis 2010 war Volker Braun Direktor der Sektion Literatur der Akademie der Künste.

Unter den Gegenwartsautoren bewegt sich Volker Braun thematisch und gestalterisch auf einem Niveau mit Hans Magnus Enzensberger. Oft verleiht eine spöttische Note seinen experimentellen Arbeiten die Würze. Ganz egal, ob er nun Verse oder Prosa zu Papier bringt, seine Sprache mutet stets pointiert und zugespitzt an.

Das zeigt sich nicht zuletzt an seinen gerade unter dem Titel "Handstreiche" publizierten Aphorismen, die von klugen Vorbildern wie Karl Kraus oder Georg Christoph Lichtenberg künden. Zum 80. Geburtstag von Volker Braun sind im Suhrkamp Verlag gleich zwei Bücher erschienen. Der schmale Band "Handstreiche" versammelt auf knapp 90 Seiten Aphorismen, Dialogfetzen und Zitate. Der zweite Teil der Aphorismen ist mit "Ausschreitungen auf dem Papier" betitelt.

Volker Braun ist ein renommierter und vielfach ausgezeichneter Lyriker, Dramatiker und Prosa-Autor. Wegen der ausnahmslos hohen stilistischen Qualität seiner Werke erhielt er bereits 2000 den Georg-Büchner-Preis.

Volker Braun lebt heute in Berlin.

Weblink:

Volker Braun – Inspiriert von der Widersprüchlichkeit der Welt - www.mdr.de/kultur


Biografien:

Kurzbiographie und Angaben zum Werk von Volker Braun bei Literaturport

Kurzbiografie:

Braun, Volker - Wer war wer in der DDR?, 5. Ausgabe. Band 1


Literatur:

Handstreiche
Handstreiche
von Volker Braun

Samstag, 4. Mai 2019

»Atlas der literarischen Orte« von Sarah Baxter



»Atlas der literarischen Orte« ist ein wunderbar illustriertes, die literarischen Orte der Welt beschreibendes Buch von Sarah Baxter und ein Streifzug durch die Orte der Literatur. Orte sind Handlungstätte der Literatur. Sarah Baxter wuchs in Nordfolk, England, auf und lebt heute in Bath. Ihre Leidenschaft für das Reisen und großartige Landschaften führte sie quer durch Asien, Australien, Neuseeland und die USA, bevor sie darüber zu schreiben begann und das zu ihrem Beruf machte.

Die wichtigsten Bücher der Literaturgeschichte sind über die ganze Welt verteilt. Sarah Baxter bereist in ihrem neuen Buch literarische Orte rund um den Globus und findet dabei Städte und Landschaften auf, die in die Literaturgeschichte eingangen sind. Was sie beim Reisen auffindet, sind pulsierende Städte voller Urbanität, Plätze spiritueller Ruhe und Zurückgezogenheit, spektakuläre Landschaften, unberührte Natur, Plätze, die Weltliteratur inspiriert haben.



Bei dem literarischen Streifzug zu entdecken sind die Landschaft am Missisippi, die Weiten des Hochlandes von La Mancha mit Don Quixote, ein Besuch bei Clara del Valle im Geisterhaus in Santiago, spazieren über den Alexanderplatz in Berlin oder streifen mit Cathy und Heathcliff durch das Moor von Yorkshire.


Wer schreibt, beschreibt dabei auch Orte der Handlung. Jeder Ort hat eine besondere Geschichte: Baxter verknüpft die Geschichte und Kultur des realen Ortes mit seiner literarischen Wirkung bis in unsere Gegenwart. Handgemalte Illustration mit liebevollen Details komplettieren diese Liebeserklärung an die Phantasie.

Das sehr schön illustrierte Werk ist eine Reise durch die Welt der Literatur zum Nachschmökern, Mitreisen und Weiterlesen. Es bringt dem Leser die Orte und die Handelnden sehr anschaulich näher.


Literatur:

Atlas der literarischen Orte
Atlas der literarischen Orte
von Sarah Baxter

Montag, 29. April 2019

Walter Kempowski 90. Geburtstag

Walter Kempowski 90. Geburtstag

Der deutsche Schriftsteller Walter Kempowski wurde vor 90 Jahren am 29. April 1929 als Sohn eines Reeders in Rostock geboren. Kempowski gehört zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit.

Der aus einer Rostocker Reederfamilie stammende Kempowski war 1948 aus politischen Gründen von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden, kam aber nach acht Jahren Zuchthaus wieder frei.

Er studierte in Göttingen Pädagogik und ging als Lehrer aufs Land. Seit Mitte der sechziger Jahre arbeitete Walter Kempowski planmäßig an der auf neun Bände angelegten "Deutschen Chronik", deren Erscheinen er 1971 mit dem Roman "Tadellöser & Wolff" eröffnete und 1984 mit "Herzlich Willkommen" beschloss.

Die Arbeit an der neunbändigen "deutschen Chronik" begann er Mitte der 1960er Jahre. Kempowskis "Deutsche Chronik" ist ein in der deutschen Literatur beispielloses Unternehmen, dem der Autor das mit der "Chronik" korrespondierende zehnbändige "Echolot", für das er höchste internationale Anerkennung erntete, folgen ließ. Walter Kempowski hat mit seinem "Echolot" aus einer Fülle von Briefen, Tagebüchern, Aufzeichnungen namenloser und prominenter Zeitgenossen, aus Bildern und Dokumenten in jahrelanger Arbeit eine gewaltige Collage, ein einzigartiges Werk komponiert.

1971 erschien der erste Band "Tadellöser und Wolf" und beschlossen wurde die Reihe mit dem 1984 erschienen "Herzlich willkommen." Als sein Hauptwerk gilt "Das Echolot. Ein kollektives Tagebuch. 1.1. - 28.2.1943" (1993). Ein einmaliges, aber gelungenes Experiment und Zeitdokument - Beiträge aus Tagebüchern von Leuten aller Positionen und Schichten aus den Monaten in 1943, als die Schlacht in Stalingrad geschlagen war.

Kempowski ist ein von der Literaturkritik lange Zeit skeptisch betrachteter Autor. Man muß den Stil des Autors mögen und sich darauf einlassen, verschiedene Stränge der Erzählung ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Bücher. Kempowskiwar ein großer Erzähler und seine Bücher sind ein Dokument der deutschen Geschichte lebensnah erzählt.

Der Autor wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet und geehrt. Walter Kempowski verstarb am 5. Oktober 2007 im Kreise seiner Familie.

Literatur:

Das Echolot. Ein kollektives Tagebuch. 4 Bände in Schuber.
Das Echolot. Ein kollektives Tagebuch. 4 Bände in Schuber.
von Walter Kempowski

Sonntag, 28. April 2019

Marcel Proust und das Motiv der Kathedrale

Marcel Proust

Der gotische Baustil ist eine französische Schöpfung. Die wichtigsten Merkmale sind: Spitzbogen, Rippengewölbe, Strebewerk (Strebepfeiler und Strebebogen am Außenbau zur Entlastung des Gewölbes), Maßwerk, Triforium (Zwischengeschoß zwischen Bogenreihe und Fenstergeschoß). Im Allgemeinen: schmal und hoch, aufsteigend.

Das Motiv der Kathedrale durchzieht - als sakrales Element - das gesamte Werk des französischen Schriftstellers Marcel Proust. Mit der Kathedrale hat er sich in der grandiosen Übersetzung von John Ruskins »The Bible of Amiens« auseinandergesetzt.

Und seinen epochalen Roman »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« hat Proust daselbst als eine "Kathedrale" bezeichnet. Proust selbst hat sein Werk, das als eines der bedeutendsten der Weltliteratur gilt, eine Kathedrale genannt.

Darin sind zahlreiche Spuren einer gotischen Kathedrale mit "einer Vorhalle, mit den Skulpturen, mit einem Säulenwald, mit einer Apsis, mit Kapellen und einer Krypta" zu finden.

Marcel Proust hat 1904 - wie Victor Hugo 70 Jahre zuvor - den "Tod der Kathedralen" beklagt. In einem Zeitungsartikel schrieb er: "Ach, es ist immer noch besser, eine Kirche zu verwüsten, als sie ihrem Zweck zu entfremden. Wenn das Opfer von Christi Fleisch und Blut nicht mehr in den Kirchen zelebriert wird, werden sie ohne Leben sein."

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Sein Hauptwerk »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« (»À la recherche du temps perdu«) in sieben Bänden, dieser epochale Roman gilt als eines der bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts. Es ist eine monumentale Darstellung der Pariser Aristokratie und des Großbürgertums in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Dieses Werk hat einen katholischen Grundton.

Das monumentale Romanwerk ist als fiktive Autobiographie aus der Persepektive des Ich-Erzählers und seinen Erinnerungen geschrieben . Der Erzähler besticht »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« vor allem durch seine präzisen und einfühlsamen Beschreibungen.

Literatur:

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
von Marcel Proust


Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
von Marcel Proust


Weblinks:

Marcel Proust: Ekstasen der Erinnerung - www.tagesspiegel.de/kultur

Marcel Proust-Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de

Marcel Proust-Zitate - Zitate-Portal - www.die-zitate.de


Blog-Artikel:

»Der Glöckner von Notre Dame« von Victor Hugo

Samstag, 20. April 2019

»Der Glöckner von Notre Dame« von Victor Hugo


Der Glöckner von Notre Dame

»Der Glöckner von Notre Dame« ist ein 1831 erschienener historischer Roman des französischen Schriftstellers Victor Hugo, der im Jahr 1482 in Paris spielt. Der deutsche Titel des Romans Der Glöckner von Notre-Dame ist somit etwas fehlgeleitet, denn der französische Originaltitel lautet allgemeiner »Notre-Dame de Paris«. Dieses Werk ist ein epochaler Roman und mehr als nur ein historischer Roman, er ist ein ganz wesentlicher Teil der literarischen Identität Frankreichs. Der Roman verdankt seine Entstehung dem drohenden Verfall der Kathdrale Notre Dame. Mit diesem Roman wollte Victor Hugo durch einen patriotischen Akt für den Erhalt von Notre-Dame de Paris einstehen.

Die römisch-katholische Kirche »Notre-Dame de Paris« (»Unsere Liebe Frau von Paris«) ist die Kathedrale des Erzbistums Paris. Die Unserer Lieben Frau, also der Gottesmutter Maria, geweihte Kirche wurde in den Jahren von 1163 bis 1345 errichtet und ist somit eines der frühesten gotischen Kirchengebäude Frankreichs. Die Kirche war im frühen 19. Jahrhundert vom Verfall bedroht. Mit diesem Roman wollte Victor Hugo für den Erhalt der Kathedrale von »Notre-Dame de Paris« einstehen und daher ist die Kathedrale auch der wichtigste Schauplatz für die Hauptfiguren im Roman.

Der Roman beinhaltet mehrere Handlungsstränge, die nach und nach ineinanderfließen und ein buntes und vielseitiges Bild des französischen Spätmittelalters mit all seinen Bevölkerungsschichten zeichnen. Die Geschichte vom missgestalteten Glöckner Quasimodo, der sich in die schöne Zigeunerin Esmeralda verliebt, ist - obgleich sie meist als interessant genug angesehen wurde, um ihn zur Haupthandlung einer Vielzahl von Verfilmungen zu machen - nur einer dieser Stränge.

Notre Dame

Der bucklige und sehr unansehnliche Quasimodo lebt seit seiner frühesten Kindheit in der Kathedrale von Notre-Dame und ist dort als Glöckner tätig. Er meidet die Außenwelt, da er sich vor dem Entsetzen der Menschen verbirgt.
Doch hinter seinem hässlichen Aussehen verbirgt sich ein gutherziger, aber naiver Charakter. Nur der Erzdiakon Claude Frollo, der sich trotz seines hässlichen Äußeren um ihn gekümmert hat, ist seine einzige Vertrauensperson.

Doch dann taucht in Paris die wunderschöne Zigeunerin Esmeralda auf und schon bald verliebt sich Frollo entgegen seines kirchlichen Gelübtes in sie. Jedoch verliebt sich Esmeralda in Phoebus, dem Hauptmann der königlichen Leibgarde, und das löst eine dramatische Kettenreaktion aus, da sich auch der hässliche, aber gutherzige Glöckner Quasimodo in die Zigeunerin verliebt.

Victor Hugo schuf ein unvergessliches Meisterwerk mit faszinierenden Charakteren und vor allem hat dieser Roman neben Dramatik auch Tiefgründigkeit. Victor Hugo gelingt es sehr realistisch, die Stadt Paris im Spätmittelalter zu beschreiben.


Alles in dem Roman »Der Glöckner von Notre-Dame« ist eine faszinierende Gegenüberstellung von Groteske und Erhabenen - der Rede, der Charaktere, der Umgebung. Man hat das Gefühl, dass der Sinn dieser anrührenden Geschichte darin bestand, aufzuzeigen, daß Architektur das einzig Gute ist, das aus dem Mittelalter kam, verbunden also mit der Bitte "Zerreißen sie dieses Gebäude um Himmels willen nicht! So etwas könnten wir nie wieder bauen!" Dieses Buch rettete tatsächlich die Kathedrale Notre Dame, indem es den Menschen einen Grund gab, sich darum zu kümmern, und zeigte, wie schön die gotische Architektur war, auch wenn sie damals anders war als heute - welches ein Thema des Romans ist, das auch für die Figuren gilt.

Victor Hugo mag Listen, die sehr, sehr lang sind und noch längere Namen enthalten, und in der ersten Hälfte des Buches ist die Handlung etwas träge, aber dann wird der Leser plötzlich von dieser dampfenden, leidenschaftlichen, actiongeladenen, grausig gewalttätigen zweiten Hälfte des Romans mit der verbotenen Liebe über den Kopf geschlagen. Ich habe das nicht kommen sehen. Es ist überraschend modern, daß in dieser Geschichte viele Elemente enthalten sind, die heutzutage in Romanen, insbesondere bei jungen Erwachsenen, recht beliebt sind.

Der 1831 erschienene historische und epochale Roman von Victor Hugo fesselt und bewegt die Literaturfans seit fast 200 Jahren und gilt als einer der ersten Großstadtromane der Weltliteratur. Der Stoff der Romanvorlage Hugos wurde schon mehrmals filmisch adaptiert, wenn auch nicht ganz getreu der literarischen Vorlage.

Die bekanntesten Verfilmungen sind zweifellos die von 1923 mit Lon Chaney sen. als Quasimodo, von 1939 (mit Charles Laughton als Quasimodo), von 1956 mit Anthony Quinn als Quasimodo und ist 1996 sogar als Disney-Zeichentrickfilm adaptiert worden.

Inzwischen gibt es mehrere Ausgaben, ja sogar stark gekürzte und vereinfachte Kinder- und Jugendbuchfassungen, aber es geht nichts über eine vollständige Ausgabe, wenn man bisher nur die filmischen Umsetzungen gesehen hat.

Literatur:

Der Glöckner von Notre Dame
Der Glöckner von Notre Dame
von Victor Hugo


Blog-Artikel:

Die Kathedrale Notre Dame von Paris - Kulturwelt-Blog