Freitag, 19. Juli 2019

Gottfried Keller 200. Geburtstag

Gottfried Keller


Der schweizer Nationaldichter Gottfried Keller wurde vor 200 Jahren am 19. Juli 1819 in Zürich geboren. Keller war ein Schweizer Dichter und Politiker, der sein Leben als erfolgreicher Schriftsteller beschlossen hat. Er gilt als ein großer Erzähler.

Keller wollte zuerst Maler werden, erkannte dann bei einem Studienaufenthalt in München seine dichterische Begabung. Nach seinem Aufenthalt in München kehrte er nach Zürich zurück, um sich ganz der Kunst des Dichtens hinzugeben. Er veröffentlichte erste Gedichte, nahm Anteil an den gesellschaftlichen Prozessen seiner Zeit (Vormärz) und veröffentlichte unter anderem auch die gesammelten Gedichte 1846.

Er schuf neben vielen Gedichten vorwiegend erzählende Werke, die sich durch Phantasie und Darstellungskunst, Humor und Menschenkenntnis und meisterhafte Sprache auszeichnen. 1878 veröffentlichte Keller die Novellensammlung »Züricher Novellen« in zwei Bänden und 1884 »Das Sinngedicht«. Der mehrere Schaffensperioden des Autors umspannende »Seldwyler Zyklus« vereinigt in teils heiteren, teils tragischen Erzählungen die zentralen Motive von Kellers Prosa.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Romane »Kleider machen Leute«, »Romeo und Julia auf dem Dorfe«, »Der grüne Heinrich«, »Die Leute von Seldwyla« und die Novellensammlung »Züricher Novellen«.


Seine Lyrik regte eine Vielzahl von Musikern zur Vertonung an, mit seinen Novellen »Romeo und Julia auf dem Dorfe« und »Kleider machen Leute« hat er Meisterwerke der deutschsprachigen Erzählkunst geschaffen. Schon zu seinen Lebzeiten galt er als einer der bedeutendsten Vertreter der Epoche des bürgerlichen Realismus.

Seine Novellensammlung »Die Leute von Seldwyla« beinhaltet zehn Erzählungen über die das Leben und die Eigenheiten der Leute in der Schweiz, mal tragisch, mal heiter, aber alle mit mehr oder weniger realem Hintergrund. Zeitlich sind die Geschichten zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert angesiedelt, sie bieten einen Einblick in die Verhaltens- und Denkweisen sowie in die Bräuche und Lebensweisen der damaligen Zeit.

Mit der Stadt Seldwyl erschuf der begnadete Erzähler sich einen eigenen Erzählkosmos. Die Stadt Seldwyl ist nicht real, auch wenn mehrere Städte in der Schweiz den Anspruch erhoben, der Autor hätte ihnen dieses literarische Denkmal gesetzt. Interessante Lebensgeschichten, brillianter Schreibstil - durch die mittlerweile teilweise veraltete Wortwahl und nicht mehr gebräuchliche Redewendungen ist das Lesen des Werkes allerdings etwas anstrengend.



Der schweizer Nationaldichter Gottfried Keller starb am 15. Juli 1890 in Zürich.


Literatur:

Die Leute von Seldwyla
Die Leute von Seldwyla
von Gottfried Keller

Mittwoch, 17. Juli 2019

Andrea Camilleri gestorben


Andrea Camilleri ist tot. Der 93-Jährige starb am Mittwoch im Krankenhaus in Rom. Andrea Camilleri war ein erfolgreicher Drehbuchautor, Theater- und Fernsehregisseur und Schriftsteller und einer der meistgelesenen Autoren Italiens.

1942 begann der in Agrigent aufgewachsene Camilleri für Theater und Rundfunk als Regisseur zu arbeiten. Er machte sich damit verdient, Werke von August Strindberg, Samuel Beckett, Eugène Ionesco und T. S. Eliot in Italien einzuführen.

Bekannt geworden ist Andrea Camilleri, durch seine Bestsellerkrimis um den Commissario Montalbano. Er hat mehr als 100 Bücher geschrieben, schaffte aber erst mit fast 70 Jahren mit seinen "Montalbano"-Krimis den Durchbruch. Die Bücher wurden 1994 zuerst in Italien veröffentlicht und dann in 30 Sprachen übersetzt.

In seine Romanen ging es immer wieder um Korruption und Kriminalität. Doch sein Werk hat noch eine ganze Reihe anderer Facetten. In vielen weiteren Romanen und Erzählungen beeindruckt er seine Leser, erscheinen sie nun in historischem oder kriminalistischem Gewand.


Außerdem hat Camilleri Gedichte und Essays verfasst sowie als Regisseur und Universitätsdozent gearbeitet. Fast immer präsent ist dabei ein verbindendes Element: Camilleris Heimat Sizilien. Auch wenn er in Rom gelebt hat, ist der dreifache Vater seinen sizilianischen Wurzeln immer treu geblieben und holt sich die Inspiration für seine Werke immer wieder auch bei Spaziergängen durch seinen Geburtsort und Zweitwohnsitz Porto Empedocle.

Mit seiner Romanfigur Commsissrio Montalbano begeisterte er Millionen Leser weltweit. Der Commissario hat ihn ihn unsterblich gemacht. Italien ist um den Schöpfer des Commissario Montalbano ärmer geworden.

Andrea Camilleri wurde am 6. September 1925 in Porto Empedocle auf Sizilien geboren.

Weblink:

Andrea Camilleri gestorben - Erfinder des Commissario Mmontalban - www.nzz.ch/feuilleton

Literatur:

Mein Ein und Alles
Mein Ein und Alles
von Andrea Camilleri


Samstag, 6. Juli 2019

Bernhard Schlink 75. Geburtstag

Bernhard Schlink

Bernhard Schlink wurde vor 75 Jahren am 6. Juli 1944 in Großdornberg, heute Bielefeld, geboren. Bernhard Schlink ist ein deutscher Jurist, ehemaliger Hochschullehrer und Schriftsteller. Sein Roman "Der Vorleser" wurde zu einem internationalen Bestseller.

Schlink ist neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit Richter des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen. Seinen ersten Kriminalroman schrieb er gemeinsam mit seinem Kollegen Walter Popp: "Selbs Justiz" (1987) ist die Geschichte eines Detektivs, der sich mit seiner Vergangenheit im Dritten Reich konfrontiert sieht.

Schlink schrieb seinen ersten Kriminalroman gemeinsam mit seinem Kollegen Walter Popp. 1987 wohnte Bernhard Schlink während eines Aufenthalts an der Universität in Aix-en-Provence drei Monate bei seinem Freund Walter Popp in Cucuron.

Während dieser Zeit schrieben sie gemeinsam den Kriminalroman "Selbs Justiz". Er handelt vom 68-jährigen Privatdetektiv Gerhard Selb, den ein Auftrag zurück in die eigene Vergangenheit als Staatsanwalt während der Zeit des Nationalsozialismus führt. 1991 wurde der Roman von Nico Hofmann unter dem Titel "Der Tod kam als Freund" verfilmt.

Die nächsten Bücher schrieb Schlink ohne Co-Autoren, so den Kriminalroman "Die gordische Schleife", der 1989 den "Friedrich-Glauser-Preis" erhielt. Mit "Selbs Betrug", ausgezeichnet mit dem "Deutschen Krimipreis", und "Selbs Mord" schloss Schlink die Trilogie um den Privatdetektiv Gerhard Selb ab.

1995 erschien "Der Vorleser". Erzählt wird die Geschichte einer seltsamen Liebe zwischen einer 36-jährigen Straßenbahnschaffnerin und einem 15-jährigen Gymnasiasten. Sie verschwindet spurlos und taucht sehr viel später in einem Prozess wieder auf, dem er als Jurastudent beiwohnt.

»Menu surprise: Der elfte Fall für Bruno, Chef de police« von Martin Walker

Martin Walker

Martin Walker, geboren 1947 in Schottland, ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Er lebt in Washington und im Périgord und war 25 Jahre lang bei der britischen Tageszeitung »The Guardian« tätig.
Mit »Menu surprise« hat Martin Walker den elften Fall für Bruno, den örtlichen Chef de police, vorgelegt. Der Titel »Menu surprise ist eine Anspielgung an die vielfältige Küche und das kriminalistische Menue des Autors.

Im Jahr 1999 ließ Martin Walker sich mit seiner Familie in einem kleinen Ort im Périgord nieder. Dort spielen seine erfolgreichen Kriminalfälle rund um den Dorfpolizisten Bruno.

Bruno steht dieses Mal vor einer ungewohnten Herausforderung: Er soll in Pamelas Kochschule Feriengästen lokale Geheimrezepte beibringen. Die Messer sind gewetzt, die frischen Zutaten bereit, doch die prominenteste Kursteilnehmerin fehlt: die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers, die sich auf Empfehlung ihrer Familie im Périgord erholen wollte. Bruno spürt sie auf - in einem vermeintlichen Liebesnest, das jedoch bald zum Schauplatz eines Doppelmords wird.

Bruno erfährt, dass eine der Kurteilnehmerinnen von Pamelas Kochkurs vermisst wird. Der Dorfpolizist möchte bitte nachsehen, was da los ist. Diese harmlose Nachfrage weitet sich auf ernste Ermittlungen im Fall mit zwei Toten, die weite Kreise nach sich ziehen und Kompetenzen des einfachen Dorfpolizisten Bruno deutlich übersteigen.


Bei Martin Walker ist die Rezeptur in seinen Romanen fein verteilt. Im Roman fließt wenig Blut, es geschehen wenige Morde, dafür ein charaktervoller und genußfreudiger Dorfpolizist und dazwischen gibt es schöne Kochrezepte aus der französischen Küche, welche in diesem Roman besonders betont werden.

Seine - fast schon obligate - Hommage an die Kochkunst: Bruno teilt seine Geheimnisse in Sachen Kochen mit den Teilnehmern des Kochkurses und mit den Lesern. Der leidenschaftliche Koch kocht auch für seine Gäste.


"Bruno würde den Teilnehmern beibringen, wie pâté de foie gras zuzubereiten war und wie sich aus einer einzigen Ente fünf verschiedene Gerichte zaubern lassen. Als einer der anderen Kursleiter wollte der Baron zeigen, wie man einen Gänsehals füllt und was sonst noch in ein klassisches cassoulet nach Art des Périgord gehörte."


Isabell ist wieder die Frau seines Lebens bei Bruno, die Geschichte hält sich sehr im Rahmen. Viel Raum nimmt eine Nebengeschichte um die schwangere Rugbyspielerin, die in die Nationalmannschaft aufgenommen werden soll. Die Frage, ob sie ihre Schwangerschaft abbricht, um sportlich weiter zu kommen, beschäftigt Bruno, Fabiola, die Spielerin selbst und paar andere Figuren so ziemlich bis zum Schluss.

Der Geheimdienst ist dieses Mal durch die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers in den Fall involiert. Die Presse spielt eine eher negative Rolle, da sie einiges ausplappert, was so manche Figuren in Gefahr bringt.

Der vorliegende Fall des Kommissars erscheint an sich nicht so besonders, aber dadurch, dass die schöne, gemütliche Seite deutlich im Vordergrund steht, kann man das Geheimdienstgeplapper gut wegstecken.

Am Ende darf Bruno im mehr oder minder spektakulären Einsatz seine Beförderung nochmals unter Beweis stellen. Am Ende ist alles geklärt und die Motive sind freigelegt.

Wer gerne Kriminalromane liest, ein Gefühl für Südfrankreich und seine Lebensart entwickelt hat, dazu gerne kocht und nach guten Inspirationen für einfachen, schmackhaften Gerichten sucht, der ist mit den Krimis von Maritn Walker sehr gut bedient. - Voila, une Mene surprise. Bon appetit!

Literatur:

Menu surprise: Der elfte Fall für Bruno, Chef de police
Menu surprise: Der elfte Fall für Bruno, Chef de police
von Martin Walker

Weblink:

»Menu surprise« von Martin Walker - Youtube

Mittwoch, 3. Juli 2019

Franz Kafkas geheimnisvolles Leben


Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag geboren. Sein Schreibstil: Unvergleichlich; unerreicht. Was würde manch Leser wohl dafür geben, die Dinge lesen zu können, die er leider selbst vernichtet hat. Gut, dass Max Brod Kafkas Wunsch, nach seinem Tod die unveröffentlichten Manuskripte zu vernichten, ignorierte.

Eine seiner größten Leistungen: Franz Kafka hat sein geheimnisvolles Leben in Literatur verwandelt und dabei eine eigene Welt erschaffen: Kafkas Welt. Sie zeigt den Aufbruch in die Moderne. Wegweiser

In Form einer Parabel auf die Existenzsituation des Menschen der Moderne schildert Kafka, wie eine anonyme Macht – das Schloss – die Sehnsucht des Menschen nach Wahrheit und Sinn manipuliert, den Suchenden bannt, unterdrückt und vernichtet.

In höherem Maß als »Der Prozess« verweigert sich »Das Schloss« eindeutigen Interpretationsversuchen. Es bleibt daher Geheimnis.


Franz Kafka

Das letzte, von Januar bis September 1922 entstandene Romanfragment von Franz Kafka greift das in Der Prozess entworfene Thema der unendlichen, letztlich scheiternden Suche des Individuums nach Erkenntnis auf. In Form einer Parabel auf die Existenzsituation des Menschen der Moderne schildert Kafka, wie eine anonyme Macht – das Schloss – die Sehnsucht des Menschen nach Wahrheit und Sinn manipuliert, den Suchenden bannt, unterdrückt und vernichtet.

K.s Versuche, ins Schloss zu gelangen, führen ihn stets kreisförmig an den Ausgangspunkt zurück; aussichtsreiche Gespräche enden, ohne dass K. Aufklärung erhalten hätte. Die Sehnsüchte K.s und der Dorfbewohner kreisen um das Schloss, werden jedoch immer wieder enttäuscht.


"Es gibt Bücher, durch welche man alles erfährt
und doch zuletzt von der Sache nichts begreift."


Johann Wolfgang von Goethe

Jeder Mensch trägt ein Zimmer in sich. Diese Tatsache kann man sogar durch das Gehör nachprüfen. Wenn einer schnell geht und man hinhorcht, etwa in der Nacht wenn alles ringsherum still ist, so hört man z. B. das Scheppern eines nicht genug befestigten Wandspiegels.

Literatur:

Franz Kafka: Leben und Werk
Franz Kafka: Leben und Werk
von Thomas Anz


Das Schloss Rezension
vn Joachim Weiser

Samstag, 29. Juni 2019

»Westend« von Martin Mosebach


»Westend« ist ein vor beinahe dreißig Jahren weitgehend unbeachtet erschienen Roman von Martin Mosebach, der jetzt neu zu entdecken ist. Ein fabelhaftes Epos über die Verwandlung einer städtischen Gesellschaft in den Aufbaujahren der Bundesrepublik und ein Hauptwerk Martin Mosebachs.

»Westend« spielt in dem in der Gründerzeit erbauten Frankfurter Stadtteil, der zwischen Palmengarten und der Alten Oper liegt. Es ist nicht das Westend der 68er, sondern das sich verändernde Wohnviertel der Nachkriegszeit. Milieu

Eduard Has sieht sich als Glückskind: Der Krieg hat seine Heimatstadt Frankfurt zwar gründlich zerstört, aber das eröffnet der eigenen Immobilienfirma ungeahnte Chancen. Seinen Erfolg adelt er mit einer stattlichen Sammlung des eben noch verfemten Expressionismus, neben die kühl-elegante Ehefrau tritt eine sinnliche Geliebte, die Tochter Lilly betet er an. Warum nur kann das Leben nicht ewig so weitergehen?


Im Geist der großen europäischen Gesellschaftsromane ist in »Westend« der eigentliche Gegenstand die Stadt Frankfurt mit ihren Bürgern aller Schichten. Eine ganze Epoche deutscher Nachkriegsgeschichte wird im Schicksal der Figuren lebendig: Spekulanten und Kunsthändler, Müllsammler, Hausmeister und Putzfrauen, die letzten Vertreter Altfrankfurter Bürgerlichkeit und ein jugendliches Liebespaar, das an den Sünden der Väter trägt und sie zu überwinden lernt. Ein fulminantes Epos über die Verwandlung einer städtischen Gesellschaft in den Aufbaujahren der Bundesrepublik.

So fließt auch jede Menge Lokalkolorit in den Roman. Man merkt, dass Mosebach hier über ein Milieu schreibt, das er genau kennt und liebt.

Literatur:

Westend
Westend
von Martin Mosebach

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Mittwoch, 26. Juni 2019

»Abend« von Ludwig Tieck

Wie ist es denn, daß trüb und schwer
So alles kommt, vorüberzieht,
Und wechselnd, quälend, immer leer,
Das arme Herz in sich verglüht?

Kaum gekommen
Soll ich scheiden,
Kaum entglommen
Löschen wieder
Alle Freuden
und der Leiden
Dunkle Wolke senkt sich nieder.

Aus den Lichtern in die Nacht,
Aus den Augen, die mir tagen,
Die mein ganzes Herz durchlacht,
Bin ich wieder allen Plagen,
Dem dürren Leben
Zurück gegeben.
Wie flücht'ge Augenblicke
Mein Glücke!
Wie lange, lange Dauer
Der Trennung, düstre schwere Trauer! –
Zurückzukehren
Und dich entbehren!

O als ich dich noch nicht gesehn,
Da durfte Sehnsucht bei mir sein,
Ein Hoffnungswind in meinen Wünschen wehn,
Die Zukunft war ein heller Schein:
Jetzt muss ich vom Erinnern kaufen,
Was ich kaum zerstreut empfand;
Wieder durch die wüsten Haufen,
Durch ein unbewohntes Land,
Soll ich irre, klagend, schweigen,
Und des Glückes goldne Streifen
Auch die letzten, abgewandt.
Noch fühl' ich deine Hand,
Noch wie im Traume deine Küsse,
Noch folgen mir die holden Blicke,
Und die Empfindung, daß ich alles misse,
Bleibt bei mir zurücke.

O Hoffen, Schmachten, Liebesleid und Sehnen,
Wie dürst' ich nach den süßen Tränen!
O tröste mich doch, eitles Wähnen,
So leer du bist, so tot, so nichtig!
Verlaßt ihr alle mich so flüchtig?

O Gegenwart, wie bist du schnell!
Vergangenheit, wie bist du klein!
O Zukunft, wie wirst du unendlich sein?
Unendlich wie am Himmelsbogen
Die Sterne in die ew'gen Räume steigen,
So fühl' ich Stunden, Tage, Monden hergezogen,
Und durch mein tiefstes Sein das trübe Schweigen,
Um mich ein unvergänglich Meer von schwarzen Wogen,
Und ach! kein grünes Ufer will sich zeigen!

Ludwig Tieck (1773 - 1853), deutscher Dichter, Dramatiker, Kritiker und Theoretiker der Romantik