Dienstag, 11. Dezember 2018

Alexander Solschenizyn 100. Geburtstag

Alexander Solschenizyn 100. Geburtstag

Alexander Solschenizyn wurde vor 100 Jahren am 11. Dezember 1918 im südrussischen Kislowodsk in der Nähe von Rostov am Don geboren. Alexander Solschenizyn war ein russischer Schriftsteller und Dramatiker des 20. Jahrhunderts.

Solschenizyn studierte vor dem Zweiten Weltkrieg Mathematik und Philosophie. Schon vor dem Krieg begann er 1939 im Alter von 20 Jahren mit den Aufzeichnungen für ein Werk, das ihn sein ganzes Leben begleitet hat, das »Das rote Rad«, ein historischer Roman über die russische Revolution von 1917.

Während des Krieges kämpfte Solschenizyn in der Roten Armee als Batteriechef einer Artillerieeinheit. Seine Erlebnisse als Offizier während der Einnahme Ostpreußens schrieb er in Gedichtform in »Ostpreußische Nächte« nieder.

In den letzten Kriegsmonaten wurde er überraschend von der militärischen Spionageabwehr verhaftet, weil er in Briefen an seinen Schwager Kritik an Stalin geübt hatte.

Alexander Solschenizyn wurde 1945 wegen eines stalin-kritischen Briefwechsels verurteilt. Er verbrachte sieben Jahre in Zwangslagern des Gulag, wo er den ebenfalls inhaftierten Lew Kopelew kennen lernte.

Während seiner anschließenden Verbannung nach Kasachstan schlug sich Solschenizyn als Lehrer durch. Dort musste er sich auch einer Krebsoperation unterziehen. Die Operation verarbeitete zusammen mit der anschließenden Behandlung später in dem Roman »Krebsstation«.

1957 wurde Solschenizyn nach sieben Jahren Gulag sowie drei Jahren Verbannung rehabilitiert.

Seine Erlebnisse im sibirischen Arbeitslager lieferten die Vorlage für sein berühmtestes Werk, den »Archipel Gulag«. In seinem Roman deckte er das System des Gulag auf und gab den Opfern der Arbeitslager eine Stimme. Solschenizyn widmete den »Archipel Gulag« all jenen, die nicht genug Leben hatten, um von ihrem Schicksal zu erzählen.

1962 schrieb Solschenizyn eine Erzählung, in der er den grausamen Lageralltag eines Gefangenen in einem sowjetischen Arbeitslager schilderte. Er hatte einen Bericht über das Lagerleben verfasst, den Sowjetreformer Nikita Chruschtschow 1962 veröffentlichen liess: »Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch«.

Dieser Roman über das grausame Lagerleben machte Solschenizyn berühmt und im Lande bekannt. Breshnew untersagte Solschenizyn jedoch die weitere schriftstellerische Tätigkeit. Solschenizyn verfasste im Untergrund drei Bände des »Archipel Gulag« und wuchs zur moralischen Autorität Russlands heran.

In seinem Roman »Krebsstation« lieferte Alexander Solschenizyn einen schonungslosen Bericht über die Zustände in der Sowjetunion, der zugleich auch Protest und Forderung nach einem humanen Sozialismus ist.

1969 wurde Solschenizyn aus dem Schriftstellerverband UdSSR ausgeschlossen. 1970 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Solschenizyn weigerte sich den Nobelpreis anzunehmen, denn die Sowjetunion hätte dem unbequemnen Dissidenten die Wiedereinreise verweigert.

Ende 1973 veröffentlichte der entschiedene Stalin-Gegner mit Bedacht den »Archipel Gulag« sein bekanntestes Werk, das sein Leben verändern sollte und zugleich einen Bruch in seinem Leben darstellte.

Im Februar 1974 beschloss das Präsidium des Obersten Sowjet der UdSSR, dem Landesverräter die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Gleichzeitig erfolgte die Ausreise aus der UdSSR.

Er fand zunächst Aufnahme in der Bundesrepublik Deutschland bei Heinrich Böll, besuchte den Diktator Pinochet in Chile und lebte später in Zürich und siebzehn Jahre im US-Staat Vermont. Der Weg des Exils führte Solschenizyn über die Schweiz udn Norwegen in die USA. Die Freiheit des Westens behagte dem entwurzelten Russen wenig. Er verkroch sich in die Wälder des US-Staates Vermont.

Der in seiner Heimat Russland literarisch verwurzelte Solschenizyn beschrieb sein Leben im Exil als ein Leben zwischen zwei Mühlsteinen.

Zu den weiteren Werken des grossen russischen Erzählers gehören die Erzählungen »Im ersten Kreis«, »Kerze im Wind«, »Matrjonas Hof«, »Nemow und das Flittchen«, »Ostpreußische Nächte«, »Republik der Arbeit«.

Obwohl er im Ausland sehr willkommen war und seine Privatsphäre respektiert wurde, blieb Russland immer seine geistige Heimat. Da er stets der festen Überzeugung war, eines Tages in sein Vaterland zurückzukehren, bemühte er sich nicht, die englische Sprache zu lernen und in den USA heimisch zu werden.

1990 wurde Solschenizyn rehabilitiert, bekam seine sowjetische Staatsbürgerschaft zurück. Im Mai 1994 kehrte der Nobelpreisträger nach 20 Jahren im Ausland in seine Heimat nach Russland zurück.

In Russland erhob er nach seiner Rückkehr seine Stimme als kritischer Mahner. Er propagierte den Nationalismus und warb für ein starkes Russland.

Russland ehrte Solschenizyn mit dem Staatspreis für seine humanitären Werke.

Alexander Solschenizyn starb am 3. August 2008 im Alter von 89 Jahren in der Nähe von Moskau.







    Alexander Solschenizyn-Werk




Die grossen Erzählungen
Die grossen Erzählungen
Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch
Ein Tag im Leben
Der Archipel GULAG
Der Archipel GULAG
Der Archipel GULAG 1
Der Archipel GULAG 1
Der Archipel GULAG 2
Der Archipel GULAG 2
Im ersten Kreis
Im ersten Kreis


Weblinks:

Alexander Solschenizyn-Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de

Alexander Solschenizyn-Zitate - Zitate-Portal - www.die-zitate.de

Montag, 26. November 2018

Arnold Zweig 50. Todestag

Arnold Zweig

Arnold Zweig starb vor 50 Jahren am 26. November 1968 in Ost-Berlin. Arnold Zweig war ein deutscher Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er schrieb zahlreiche Romane, Novellen, Dramen und Essays.

Zweig besuchte die Kattowitzer Realschule als eher durchschnittlicher Schüler und legte im Jahre 1907 sein Abitur ab.Zweig studierte u. a. in Breslau, München, Berlin Germanistik, moderne Sprachen, Philosophie und Psychologie. Bekannt wurde er mit »Novellen um Claudia« (1912). Sein literarisches Debüt war 1912 der Band »Novellen um Claudia«. 1915 erhielt er für die Tragödie »Ritualmord in Ungarn« den Kleist-Preis.

Er war im Ersten Weltkrieg Armierungssoldat in Serbien und vor Verdun, ab 1917 Schreiber und Zensor in der Presseabteilung Ober-Ost. Von 1919 bis 1923 lebte er am Starnberger See, danach in Berlin. Die Erfahrungen im Ersten Weltkrieg sollten den späteren Schriftsteller präen. Neben Novellistik und Dramatik entstanden in dieser Zeit Publikationen und Vorträge über Judentum, Antisemitismus und die Lehre Sigmund Freuds.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden Zweigs Bücher im Rahmen von Bücherverbrennungen öffentlich verbrannt.

Zweig emigrierte 1933 zuerst in die Tschechoslowakei, dann in die Schweiz und schließlich nach Sanary-sur-Mer (Frankreich). Seine zionistische Einstellung führte ihn von dort weiter ins Exil nach Palästina, wo er sich 1934 in Haifa niederließ.

1948 kehrte Arnold Zweig aus dem Exil nach Ost-Berlin zurück. Als bekennender Sozialist wurde er in der Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR geehrt.

1957 wurde er Präsident des P.E.N.-Zentrums zunächst für ganz Deutschland, nach dem Bau der Mauer ab 1967 für die DDR. Als Zionist und politischer Sozialist bekannte er sich klar zum Humanismus. Brückenbauer

Arnold Zweigs Weg vom Nietzscheaner und Kunstästheten der Vorkriegsjahre zum Zionisten, vom kurzzeitigen Kriegsjubler zum zeitweise bekennenden Pazifisten ist gezeichnet von Brüchen wie von Kontinuitäten. Die "Hölle von Verdun", das Sterben in den Materialschlachten und die Reflexion der gesellschaftlichen Hintergründe des Ersten Weltkriegs wurden zentrale Themen seiner großen Romane.

Novellistik, Dramatik, Romane u. a. Der Zyklus »Der große Krieg der weißen Männer«: »Der Streit um den Sergeanten Grischa« (1927), »Junge Frau von 1914« (1931), »Erziehung vor Verdun« (1935), »Einsetzung eines Königs« (1937), »Die Feuerpause« (1954), »Die Zeit ist reif« (1957), »De Vriendt kehrt heim« (1932), »Das Beil von Wandsbek« (1943 in Hebräisch, 1947 in Deutsch), »Traum ist teuer« (1962).

Der Antikriegsroman »Der Streit um den Sergeanten Grischa« (1927) wurde zu einer der bedeutendsten Abrechnungen der deutschen Literatur mit der Unmenschlichkeit des Krieges.

»Junge Frau von 1914« entstand 1931 und ist Teil des Romanzyklus "Der große Krieg der weißen Männer" über den Ersten Weltkrieg.

Der Roman ist das Kernstück des mehrteiligen Zyklus »Der große Krieg der weißen Männer«. Der Zyklus besteht aus sieben Bänden aus dem Zeitraum von 1927 bis 1958 und beschreibt vor allem die Zeit des Ersten Weltkrieges.

Seine Lebensgeschichte führte den Autor von Schlesien (heute Polen) über Berlin im damaligen Preußen nach Palästina und wieder zurück nach Berlin. Arnold Zweig wurde am 10. November 1887 im schlesischen Glogau geboren.


Literatur:

Der Streit um den Sergeanten Grischa
Der Streit um den Sergeanten Grischa
von Arnold Zweig

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Junge Frau von 1914
Junge Frau von 1914
von Arnold Zweig

Donnerstag, 22. November 2018

Erich Fried 30. Todestag

Erich Fried

Erich Fried starb am 22. November 1988 in Baden-Baden, inmitten von Dreharbeiten und Lesungsterminen, an Darmkrebs.
Er wurde auf dem Londoner Friedhof "Kensal Green" beigesetzt.

Erich Fried ist einer der bedeutendsten österreichischen Lyriker und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland starb Frieds Vater im Mai 1938 an den Folgen eines Verhörs durch die Gestapo.
Daraufhin emigrierte Erich Fried mit seiner Mutter nach London.

Während des Krieges schlug der jüdische Emigrant sich mit Gelegenheitsarbeiten als Bibliothekar, Milchchemiker, Fabrikarbeiter durch,
wurde anschließend Mitarbeiter bei zahlreichen neu gegründeten Zeitschriften und arbeitete von 1952 bis 1968
als politischer Kommentator für den German Service der BBC.

Erich Fried steht für die deutschsprachige Lyrik nach 1945.



Samstag, 17. November 2018

»Mit der Faust in die Welt schlagen« von Lukas Rietzschel


»Mit der Faust in die Welt schlagen«

»Mit der Faust in die Welt schlagen« ist der Debütroman des jungen ostdeutschen Autors Lukas Rietzschel. Lukas Rietzschels Roman »Mit der Faust in die Welt schlagen« ist eine Chronik des Zusammenbruchs - eine hochaktuelle literarische Auseinandersetzung mit einem zerrissenen Land.

Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher.


Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Und findet es.

Die vermeintliche Tristesse, die Ostsachsen zugeschrieben wird, entsteht durch die ermüdende Darstellung der Protagonisten und der Szene. Wenn das so gewollt ist, Chapeau. Die trostlose Atmosphäre und die teils hoffnungslose Situation Jugendlicher in Ost-Sachsen einzufangen, ist dem Autor gelungen. Aber Spannung kam einfach nicht auf. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, das Ganze könnte autobiografische Züge tragen.

So mancher wird sich in dem Roman wiedererkennen, abermöchte man wirklich über den langweiligen Alltag eines Grundschülers in der Provinz lesen? Es gibt darin einige Passagen, wo man das Gefühl hatte: So, jetzt geht es endlich los! Aber dann verlief die Geschichte doch wieder im Sande. Das recht unspektakuläre Ende war der Punkt, an dem es für mich erst richtig hätte losgehen sollen.

Literatur:


Mit der Faust in die Welt schlagen
von Lukas Rietzschel

»Der Doppelmord in der Rue Morgue« von Edgar Allan Poe


Die Morde in der Rue Morgue
Die Morde in der Rue Morgue

»Der Doppelmord in der Rue Morgue« (»The Murders in the Rue Morgue«) ist ein erschienener Kriminalroman von Edgar Allan Poe. Mit seinem Kriminaleroman gilt er als einer der Erfinder der Detektivgeschichte und des deduktiv arbeitenden Krimihelden, der seine Fälle durch Logik und Kombinationsgabe löst.




Literatur:


Die Morde in der Rue Morgue
Die Morde in der Rue Morgue
von Edgar Allan Poe

Montag, 12. November 2018

»Verbrechen und Strafe« von Fjodor M. Dostojewski und Swetlana Geier



Den Roman mit dem ursprünglichen Titel „Schuld und Sühne“ von Fjodor M. Dostojewski hat Swetlana Geier neu übersetzt. Die Neuübersetzung . „Verbrechen und Strafe“ statt „Schuld und Sühne“ – allein am Titel merkt man schon den Unterschied. Swetlana Geier, die Grande Dame der Slawistik an der Freiburger Uni, hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die fünf großen Dostojewskij-Romane neu zu übersetzen. „Verbrechen und Strafe“ war der Erste gewesen. Als russische Muttersprachlerin ging sie mit einem ganz anderen Sprachgefühl an die Übersetzung heran. Und herausgekommen ist dabei ein völlig neues Buch.

Verbrechen und Strafe
Verbrechen und Strafe

Raskolnikow entstammt einer verarmten bürgerlichen Familie. In der schrankähnlichen Enge seines Zimmers ist der »euklidische Verstand«, der der Diener des Lebens sein sollte, zum Herrscher geworden. Raskolnikow ist Utilitarist. Um eines naturgemäß unklar gefaßten Begriffs des wissenschaftlichen oder sozialen Fortschritts willen, scheint es ihm erlaubt, eine alte Wucherin, die »nicht besser als eine Laus ist«, zu töten und mit dem geraubten Geld sein Studium zu finanzieren. Sein Herz wehrt sich ebenso wie sein Unterbewußtsein gegen die geplante Tat, doch von sozialer Not gedrängt und gefangen in lebensfeindlichen Ideen, wird er zum Mörder.

Die in St. Petersburg spielende Geschichte handelt von Rodion Raskolnikow, ein völlig verarmter Student, hat eine Theorie entwickelt, nach der es hin und wieder Menschen gibt, die über den moralischen Wertvorstellungen und den geltenden Gesetzen stehen und die daher für sie nicht von Belang sind. Natürlich ist er selbst einer dieser Menschen und konsequenterweise erschlägt er mit einer Axt eine alte Pfandleiherin, nach seiner Theorie nur eine unnütze „Laus“, um ihr Geld zu rauben. Auch ihre zufällig anwesende Schwester wird von ihm getötet.

Er entkommt unerkannt und muss nun mit diesem Verbrechen leben. Da zeigt es sich, dass er mitnichten über allem steht, er fiebert, es zerfrisst ihn von innen, während parallel dazu in der äußeren Welt die Polizei auf der Suche nach dem Mörder ist. Der frühere Buchtitel „Schuld und Sühne“ hat dabei etwas religiös Moralisierendes, während der neue Titel das Geschehen als das darstellt, was es ist: Ein Verbrechen. Das Strafe verdient. Der Ermittler kommt Raskolnikow schnell auf die Spur, so aberwitzig und wirr wird sein Verhalten. Er kann ihm das Verbrechen aber nicht beweisen, sucht nach Indizien.


"Aus hundert Kaninchen wird niemals ein Pferd und

aus hundert Verdachtsgründen niemals ein Beweis."


Fjodor M. Dostojewski, »Schuld und Sühne«



Ein tiefer Seelenroman. Ein großartiges Buch über die innere Zerrissenheit eines Täters. Wie er immer tiefer in den Strudel seines Wahnsinns hineingezogen wird. Wie er zum Gejagten seiner Selbst wird. Wie er keine Reue empfindet, aber sich vor seiner Tat ekelt. Wie die Justiz ihm das Verbrechen nachweisen will. Wie sich der Kreis der Ermittlungen immer enger zieht. Wer gibt zuerst auf? Ein psychologisches Duell der Extraklasse.

Geschrieben vor beihahe 150 Jahren und immer noch spannend. Immer wieder. Dazu als Kulissse das St. Petersburg von 1860: Pulsierendes Leben auf den Prachtboulevards und eine Straße weiter schmutzige Hinterhöfe voller menschlichem Elend. Arm und reich auf engstem Raum nebeneinander, der Nährboden für die wirren Ideen eines Raskolnikows.

Der psychologisch ausgefeilte Roman erlaubt dem Leser, sich sowohl in die Rolle des Täters als auch des Opfers hineinzuversetzen.

Es reicht nicht, diesen Kriminalroman nur einmal zu lesen: Die faszinierdenden Einblicke in die Psyche des Petersburger Studenten Raskolnikow liefern Denkanstöße für längere Zeit. Verbrechen und Strafe ist ein psychologisches Meisterwerk und meines Erachtens der beste 'Dostojewski' - Ein absolutes Muß für Freunde hochwertiger Klassiker. Dostojewskis Meisterwerk.

Weltliteratur, die man gelesen haben sollte:


 Verbrechen und Strafe
Verbrechen und Strafe
von von Fjodor M. Dostojewskij und Swetlana Geier

Schuld und Sühne
Schuld und Sühne
von Fjodor M. Dostojewski


Der Dostojewskij-Relaunch
- kaffeehaussitzer.de

Samstag, 10. November 2018

»Kapuzinergruft« von Joseph Roth

Kapuzinergruft
Kapuzinergruft

Die großen Zeiten der Donaumonarchie sind vorüber, das kakanische Reich liegt im Sterben. Die »Kapuzinergruft« ist Joseph Roth literarischer Abgesang auf die Habsburger Monarchie. Roth, das nomadisierende Chamäleon, unterlag dabei zahlreichen Wendungen in seinem Leben: Er begann als Gefühlssozialist und endete als kakanischer Monarchist, ja Legitimist: Die Unantastbarkeit des habsburgischen Geschlechts stand für ihn außer Frage.

Joseph Roths »Kapuzinergruft« ist eine kunstvolle Erzählung über die Melancholie des Untergangs und ein Abgesang auf das Habsburger-Reich in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Ein Untergang, der in die Gruft führt. Daraus erklärt sich auch der Titel: der letzte große Kaiser dieses Reiches, Franz Joseph, ist in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt - der Protagonist des Romanes sucht mehrmals im Verlaufe der Handlung die Gruft auf.

Der Roman erzählt eine Familiengeschichte über drei Eopochen, in der die Politik hineinreicht, so daß das Bild einer Epoche entsteht.

Die Zeitspanne von der berichtet wird, ist die Zeit kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges bis zum Ausbruch des Faschismus in Österreich . Der Handlungsort ist Wien, unterbrochen von der Kriegszeit von Trottas - des Protagonisten, die er hauptsächlich in russischer Gefangenschaft verbringt.

Die Handlung kreist um die durch den Krieg orientierungslos gewordenen Hauptfigur - ein dekadenter slowenischer Adliger, ohne Ausbildung und durch Investitionen in Kriegsanleihen ohne Vermögen. Eine herausgestellte Rolle spielt auch seine Mutter, die versucht, die großbürgerlichen und adligen Ideale der Kaiserzeit in Würde bis zu ihrem Tod aufrecht zu erhalten. Trottas Frau Elisabeth stellt hierzu das Gegenbild dar - sie ist einer ungarischen Künstlerin in einer lesbischen Allianz verbunden und verkörpert in vielen Dingen den Geist der Nachkriegszeit.


Jung und frei und wohlhabend streunt der Protagonist durch Wien, bis zwei Männer in sein Leben treten: der Vetter Joseph Branco, Maronibrater aus Slowenien, der ihn um einen Gefallen bittet. Nämlich den Juden und Fiaker (Kutscher) Manes Reisiger zu empfangen, der wiederum hat einen hochbegabten Jungen, der als Violinist ans Konservatorium soll. Die drei Männer so unterschiedlich sie auch sind, freunden sich schnell an.

Der Reisiger Sohn kommt aufs Konservatorium. Zwischenzeitlich verliebt sich der junge Protagonist aus gutem Hause in eine junge Dame namens Elisabeth, was nicht den Gefallen der kalten, zurückhaltenden und sehr auf Contenance bedachten Mutter findet. Und dann die Schicksalsstunde die die Welt in Atem hält: Der Erste Weltkrieg bricht aus.

Die drei Männer sind in einem Regiment und geraten schnell in Gefangenschaft. Die Gefangenschaft ändert die drei Männer nachhaltig - so wie das Kaiserreich Österreich nachhaltig verändert wird. Heimgekehrt aus Krieg und Gefangenschaft hat der nicht mehr ganz so junge Protagonist Schwierigkeiten sich anzupassen, in dem was von der glanzvollen Monarchie übrig geblieben ist: Nichts ist übrig geblieben. Er ist kein junger Mann mehr, das Geld ist weg, die Mutter alt und schwerhörig, die junge Elisabeth will von dem flugs nach dem Ausbruch des Krieges geheirateten Gatten nicht viel wissen, die Freunde sind verarmt und desillusioniert.


Die »Kapuzinergruft« von Joseph Roth ist ein symbolischer Roman: er steht für den Glanz, den Niedergang und den totalen Untergang der KuK-Monarchie. Demokratie, Armut, soziale Unruhen, das Zerbrechen jeglicher Strukturen, all das findet sich in der Kaisergruft wieder - und die Unmöglichkeit sich an die neuen Verhältnisse anzupassen, statt in Nostalgie auf die guten alten Tage zu schwelgen. - Wenn es ein Buch gibt, das den Zusammenbruch jeglicher alter Ordnung und den Niedergang einer einstigen Großmacht wiedergibt, dann ist es dieses Buch.

Joseph Roth skizziert in diesem Buch den Abgesang auf eine große Zeit, die nie so gut war, wie erinnert, die nie wieder so gut sein wird und die Menschen, die nicht die neue Zeit verstehen wollen oder können. Wer wissen will, warum man bis dato immer noch in Österreich den Blick rührselig, stolz und anmutig nach hinten schweifen lässt und sich die gute alte Zeit herbeiwünscht, der sollte dieses Buch lesen, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Auch für den Geschichts- oder Deutschunterricht hervorragend geeignet.

Wichtig für Trotta sind auch die beiden Figuren Branco (ein Maroniverkäufer) und Reisiger (ein jüdischer Kutscher), die das ursprüngliche und kraftvolle Leben verkörpern, nach dem sich Trotta sehnt, aber auch die Vielfalt der Völker und Kulturen der Donaumonarchie darstellen.

Dekadenz, Todesahnung, -sehnsucht und Zerfall kennzeichnen Trottas Leben im Wien der Nachkriegszeit - das letzte Mal hat er sich bizarrerweise in russischer Kriegsgefangenschaft zu Hause gefühlt.

Lesenswert wird der nicht sehr umfangreiche Roman vor allem durch die wunderschöne Prosa Roths, die einerseits reflektierende Passagen anbietet, andererseits in der Dialoggestaltung und Personenskizzierung ihre Meisterschaft zeigt.


Weblink:

Kapuzinergruft
Kapuzinergruft
von Joseph Roth