Sonntag, 10. Juni 2018

Tschingis Aitmatow 10. Todestag

Tschingis Aitmatow

Tschingis Aitmatow verstarb am 10. Juni 2008 im Alter von 79 Jahren. Aitmatow ist einer der größten russischsprachigen Autoren und inspesondere die Romane "Die Richtstatt" und "Der Tag zieht den Jahrhundertweg" gehören zu herausragenden Werken der Weltliteratur.

Seiner Großmutter hat er einen reichen Schatz an Märchen, alten Liedern, Dichtungen und Wahrheiten zu verdanken, immer wieder nimmt sie ihn zu den Sommerlagern der Nomaden mit. 1935 zieht die Familie Aitmatow nach Moskau um, wo Tschingis zur Schule geht. Sein Vater war einer der ersten kirgisischen Kommunisten auf leitendem Posten und interessierte sich lebhaft für Kultur und Literatur. Auch seine Mutter war eine gebildete und aufgeschlossene Frau. Innerhalb der Familie wurde er an die russische Sprache und Literatur herangeführt.
1937 wird sein Vater Opfer der stalinistischen Repression, und die Familie flieht zurück nach Kirgisien, wo sie unter ärmlichsten Verhältnissen ausharrt. 1942 muss Aitmatow wegen des Krieges die Schule verlassen und verschiedene Funktionen in der Verwaltung des Dorfes und des Kreises übernehmen.

Nach dem Krieg gelingt es ihm, den Schulabschluss nachzuholen. 1946 bis 1948 studiert Aitmatow an der Veterinärfachschule in Dzambul, in dieser Zeit beginnt er zu schreiben. Anschließend immatrikuliert er sich an der kirgisischen landwirtschaftlichen Hochschule in Frunse (heute: Bischkek), wo er fünf Jahre lang studiert und, nach 1951, nebenher journalistisch tätig ist. Nach Abschluss der Hochschule arbeitet Aitmatow von 1953 bis 1956 als Tierzüchter auf einer Versuchsfarm, bis er 1956 ans »Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau wechselt, um dort einen zweijährigen Lehrgang für junge Autoren zu besuchen. Während dieser Zeit erscheint seine erste Erzählung Aug in Auge.

Als Abschlussarbeit verfasst er 1958 die von Louis Aragon als 'schönste Liebesgeschichte der Welt' bezeichnete Erzählung Dshamilja, die seinen weltweiten literarischen Ruhm begründet. Beide Erzählungen sind bei Erscheinen aus politischen Gründen heftig umstritten: »Aug in Auge wegen der Auseinandersetzung mit der Figur eines Deserteurs, »Dshamilja wegen der verständnisvollen Zeichnung einer Frau, die mit bestehenden Tabus bricht.

1959 wird er Chefredakteur der Zeitung Literaturnaja Kirgizija (Literarisches Kirgisien). Ab 1960 ist Aitmatow für die Zeitung Prawda als Sonderkorrespondent in Mittelasien und Kasachstan tätig. Aus den Erfahrungen dieser Jahre schöpft er später immer wieder den Stoff für seine Geschichten.

1963 wird Aitmatow mit dem Lenin-Preis für Literatur und Kunst ausgezeichnet, 1968 mit dem Staatspreis der UdSSR. Ab 1967 ist er im Redaktionsbeirat der Zeitschrift »Novyj Mir« tätig, ab 1974 zudem als Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Kirgisien.

Bis 1965 erscheinen verschiedene Erzählungen (u. a. »Du meine Pappel im roten Kopftuch« und »Abschied von Gülsary«). Die 1970 erschienene Erzählung »Der weiße Dampfer löste wiederum eine heftige Diskussion aus, da Aitmatow durch den Einbezug von mythischen Motiven und Erzählmustern einen neuen Stil entwickelt. Die kirgisische literarische Tradition mit ihren Epen, Sagen, Volksliedern und Legenden spielt von nun an eine wichtige Rolle in seinem Werk.

Der Roman »Der Schneeleopard« reicht nicht an die Klasse der früheren Werke heran. Bei den Schilderungen der eingenommenen perspektive des Schneeleoparden sowie bei den Schilderungen der eindrucksvollen Natur zeigt Aitmatow seine alte Schriftstellerische Größe, und schreibt mit einer wunderschönen poetischen Kraft.

1983 erhält er den Staatspreis der UdSSR für seinen Roman »Ein Tag länger als ein Leben«. Der Roman »Der Richtplatz« gilt als erstes literarisches Signal der Perestroika, die er an führender Stelle mitgestaltet. 1986 rief er das internationale »Issyk-Kul-Forum« ins Leben, eine Konferenz von Wissenschaftlern, Künstlern und Politikern aus der ganzen Welt am gleichnamigen kirgisischen See. Von 1988 bis 1990 ist Aitmatow Vorsitzender des Schriftstellerverbands in Kirgisien. 1989 wurde er Abgeordneter des Volksdeputiertenkongresses und des Obersten Sowjets, Ende 1989 Gorbatschows Berater.

1990 ging er als Botschafter der UdSSR nach Luxemburg. Im gleichen Jahr erschien die Erzählung »Die weiße Wolke des Tschinggis Chan« und ein Jahr später der Dialogband »Begegnung am Fudschijama« mit Daisaku Ikeda. 1994 wird ihm der Österreichische Staatspreis für Literatur verliehen. Seit 1995 ist er Botschafter der Republik Kyrgiyzstan in Brüssel. 1998 erscheinen seine Erinnerungen Kindheit in Kirgisien.

Tschingis Aitmatow wird 1928 im Dorf Scheker im Talas-Tal in Kirgisien geboren.

Literatur:


Der Schneeleopard
von Tschingis Aitmatow

Dshamilja
Dshamilja
von Tschingis Aitmatow


Donnerstag, 7. Juni 2018

Friedrich Hölderlin 175. Todestag


Friedrich Hölderlin

Friedrich Hölderlin starb am 7. Juni 1843 in Tübingen. Seit seinem 32. Lebensjahr lebte der gedankenvolle Dichter Hölderlin in geistiger Umnachtung. Seine letzte Ruhestätte fand der Dichter auf auf dem Tübinger Stadtfriedhof.

Friedrich Hölderlin war ein bedeutender Schriftsteller und Dichter der Klassik. Er gilt als ein von der schwäbischen Romantik geprägter Dichter.

Hölderlin gilt als einer der bedeutendsten Dichter deutscher Sprache, der Oden, Elegien und Hymnen veröffentlichte. Zu seinen Hauptwerken gehören der Roman »Hyperion« (1797-99) und das Drama »Empedokles« (1798).

Er studierte von 1788 bis 1793 Theologie im Tübinger Stift, wo er unter anderem auf den Philosophen Hegel traf. Hölderlin war mit Schelling und Hegel befreundet, erst Kantianer (als Hörer Fichtes), dann Verkünder eines ästhetischen Pantheismus in seinem Roman »Hyperion«. Nach der Entlassung begann Hölderlins Flucht vor dem Pfarrerberuf

1795 zog der nach Frankfurt am Main, um seine neue Hofmeisterstelle bei Susette Gontard, seiner »Diotima« anzutreten. Als Gontard von der Beziehung seiner Frau zum Erzieher des Sohnes erfuhr, musste Hölderlin 1798 seine Tätigkeit im Haus des Bankiers beenden.

Er zog zu seienem Freund Issak Sinclair nach Bad Homburg und begleitete ihn im Novmeber zum rastatter Kongreß. 1801 trat Hölerlin seine dritte Hofmeisterstelle bei der Familie Gonzenbach in Hauptwil bei St. Gallen an, die er jedoch schon bald wieder kündigte.

Hölderlin sehnte sich nach einer Harmonie zwischen Mensch und Natur, wie er sie in einem idealisierten Bild des alten Griechenland erblickte und für die Zukunft wieder erhoffte.

Hölderlin gilt als sehr begabter Dichter. Seine feierlich-ernsten, manchmal schwermütigen Gedichte in altgriechischen Vers- und Strophenformen sind von einer hohen sprachlichen Schönheit.

1801 begab sich Hölderlin für drei Monate in die Schweiz nach Hauptwil und unterrichtet die jüngere Schwester vom Kaufmann Emanuel von Gonzenbach. Im folgenden Jahr begibt sich Hölderlin nach Bordeaux und arbeitet dort erneut als Hauslehrer, kehrt aber nach wenigen Monaten zurück ins Schwabenland.

1802 traf der Dichter in Stuttgart ein, sein gesundheitlicher Zustand ist desolat, so dass ihn seine Freunde aufgrund seines verwirrten Zustandes kaum wiedererkennen. In dieser Zeit erhält Hölderlin die Nachricht vom Tod Susette Gontards und geht zurück nach Nürtingen zu seiner Mutter, arbeitet an der Übersetzung von Sophokles und Pindar.

1805 wurde mit seinen »Nachtgesängen« auch das berühmte kurze Gedicht »Hälfte des Lebens« veröffentlicht.

Zu seinen Hauptwerken gehören der Roman »Hyperion« (1797-99) und das Drama »Empedokles« (1798).

Er verfasste zudem zahlreiche Gedichte, Briefe und theoretische Schriften.

Nach dem Tod seiner Geliebten Susette Gontard im Jahr 1802 verfiel er in Raserei und seine Stimmung trübte sich ein. Er raste vor Wut angesichts seiner Trauer und des Unverständnisses seiner Angehörigen. Tiefe Depressionen, Verbitterung und gelegentliche cholerische Wutanfälle wechselten bei ihm einander ab.

Friedrich Hölderlin wurde 1806 von Homburg in ein Klinikum nach Tübingen gebracht. Hölderlin galt ab diesen Zeitpunkt als wahnsinnig und kam ab 1807 zur Pflege bei der Tübinger Tischlerfamilie Ernst Zimmers. In den letzten 36 Jahren lebte er in deren Haus in einer Teestube oberhalb des Neckartals, heute als Hölderlinturm bekannt.

Friedrich Hölderlin wurde am 20. März 1770 als Sohn eines Klosterpflegers und einer Pfarrerstochter in Lauffen am Neckar geboren.


Weblinks:

Friedrich Hölderlin-Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de

Friedrich Hölderlin-Zitate - Zitate-Portal - www.die-zitate.de

Samstag, 2. Juni 2018

Federico García Lorca 120. Geburtstag

Federico García Lorca

Federico García Lorca wurde vor 120 Jahren am 5. Juni 1898 in Fuente Vaqueros in der Provinz Granada geboren.

Seine Herkunftsregion, die Provinz Granada, spielt eine große Rolle in Lorcas Werk, angefangen bei den »Ersten Liedern« bis zu »Bernarda Albas Haus« , das zusammen mit »Yerma« und der »Bluthochzeit« eine Trilogie bildet, welche die Stellung der Frau in der ländlichen Bevölkerung zum Thema hat. In seine Dramen flossen sowohl Elemente volkstümlicher Musik wie auch Poesie des Surrealismus ein. Lorcas Stil ist durch eine Kombination aus säkularer Tradition und dem Modernismus des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet.

Seine ersten literarischen Werke entstanden in Madrid, das »Libro de poemas« und sein erstes Theaterstück »Mariana Pineda« (1928). Außerdem veröffentlichte er »Romancero gitano« (1928), »Poemas del Cante Jondo« (1931) und »Llanto por Ignacio Sánchez Mejías« (1935). Letzteres stellt sein berühmtestes lyrisches Werk dar. Es ist einem spanischen Torero gewidmet, der ein Freund Lorcas war sowie ein Mäzen der Madrider Kunstwelt. Er starb bei der Ausübung seines Berufes.

In Madrid lernte der Poet Lorca auch den surrealistischen Künstler Salvador Dalí kennen. Beide verband eine enge Freundschaft. Der Dichter widmete dem jungen aufstrebenden Künstler seine Ode an Salvador Dalí (1926), dieser veröffentlichte in einer von Lorca gegründeten Literaturzeitschrift (gallo) sein "Manifesto anti-artistico catalán". In seine Dramen floss auch Poesie des Surrealismus ein. Lorca schildert, wie Traum und Wirklichkeit einander durchdringen.

Lorca war Dichter und Dramatiker, Musiker und Märtyrer für ein besseres Spanien, ermordet von den Franquisten kurz nach Beginn des Bürgerkriegs. Er zählt zu den kreativsten Künstlern Spaniens im vergangengen Jahrhundert. Neben seiner Dichtkunst galt Lorca auch als ein begnadeter Musiker, er improvisierte auf der Gitarre und auf dem Klavier und komponierte zudem einige Lieder. Er war mit dem spanischen Komponisten Manuel de Falla befreundet.

Seine gesellschaftskritischen Arbeiten hatten Lorca bei der politischen Rechten unbeliebt gemacht. Seine offene Gesellschaftskritik und wohl auch seine Homosexualität führten zu seiner Ermordung am 19. August 1936 durch eine Falange-Milizgruppe, gleich zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, obwohl er bei einer bekannten Familie des rechten Lagers - zu der der Dichter Luis Rosales gehörte - Zuflucht gesucht hatte.

Der spanische Dichter Federico Garcia Lorca wurde am 19. August 1936, einen Monat nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs in der Schlucht von Viznar bei Granada, erschossen. Da war er gerade mal 38 Jahre alt. Doch bewiesen ist das nicht, denn bis heute fehlt seine Leiche. Siebzig Jahre nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) liegen landesweit noch rund 120.000 der Opfer in namenlosen Massengräbern und Lorca ist der bekannteste von ihnen.

Mittwoch, 30. Mai 2018

Voltaire 240. Todestag


Voltaire

François Marie Voltaire - eigentlich François-Marie Arouet - starb im Alter von 83 Jahren am 30. Mai 1778 in Paris. Die Pariser Geistlichkeit verweigerte ihm ein kirchliches Begräbnis, das er aber in der Abtei von Scellières fand, der sein Neffe vorstand. Am 11. Juli 1791 wurden die Gebeine Voltaires auf Volksbeschluss in das Panthéon überführt.

Voltaire war ein bedeutender französischer Philosoph und Schriftsteller des 17. Jahrhunderts. Der Humanist gilt als der bedeutendste Vertreter der französischen und der europäischen Aufklärung und einer humanistischen Ethik. Als radikaler Aufklärer verkündete er den Geist des Fortschritts in Europa.

Voltaire

Voltaire lebte in der Zeit des Absolutismus. Mit seiner Kritik an den Missständen des Absolutismus und der Feudalherrschaft sowie auch am Deutungs- und Machtmonopol der katholischen Kirche war er einer der wichtigsten Wegbereiter der Französischen Revolution.

Voltaire war auch ein bedeutender Religionskritiker seiner Zeit. Mit seinem Misstrauen gegen den Aberglauben des Pöbels wie mit seinen Polemiken gegen Juden, Mohammedaner und Katholizismus stand er für eine radikale Religionskritik.



»Alle Menschen sind klug

die einen vorher, die anderen nachher.«



Die weiteste und dauerhafteste Verbreitung fanden seine philosophischen Erzählungen (»contes philosophiques«), in welchen er zentrale Gedanken der Aufklärung auf undogmatische und unterhaltsame Weise einem breiten Publikum näher brachte.

Voltaire wirkte auch als bedeutender Philosoph der europäischen Aufklärung. In seiner Heimat begegnete dem Großmeister der Aufklärung in der Zeit des Absolutismus jedoch zunehmend religiöse Intoleranz und Zensur.

In vielen Schriften setzte sich der Aufklärer für Toleranz, Menschenwürde und Menschlichkeit ein. In seinen literarischen Werken steht immer die Menschlichkeit im Vordergrund.

Voltaire wurde am 21. November 1694 als Sohn eines Notars in Paris geboren.


Literatur:

Candide
Candide
von Voltaire

Voltaire
Voltaire



Weblinks:

Maxim Gorki-Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de

Voltaire-Zitate - www.die-zitate.de

Sonntag, 27. Mai 2018

»The Great American Novel« von Philip Roth

The Great American Novel
The Great American Novel

»The Great American Novel« ist ein 1973 erschienener Roman von Philip Roth, der über Amerika und den amerikanischen Volkssport Baseball erzählt. Der Roman ist eine große und großartige Farce, ein mit Anspielungen und satirischen Elementen gespicktes Buch über Amerika und den amerikanischen Volkssport: Baseball.

Word Smith war der Sportreporter, der den Niedergang der "Patriot League" hautnah miterlebt hat, der die Tri-City Tycoons, die Terra Incognita Rustlers, die Asylum Keepers, die Aceldama Butchers und, allen voran, oder genaugenommen: allen hintennach, die Ruppert Mundys jahrelang beobachtet hat, bis im Jahr 1944 der Verfall und die Zerstörung der Patriot League nicht mehr aufzuhalten waren. Der für die legendären Spieler Luke Gofannon und Gil Gamesh die ihnen zustehenden Plätze in der Hall of Fame einforderte. Aber Amerika hat die Patriot League aus seiner Geschichte gestrichen, dieses unrühmliche, peinliche Kapitel im Buch über eines der, wenn nicht *des* Sakramentes US- amerikanischer Kultur: Des Baseballs.

Word Smith hat die Schnauze voll und will endlich aller Welt die Wahrheit erzählen: die Wahrheit über das tragikomische Schicksal der Ruppert Mundys, des berüchtigtsten Baseballteams aller Zeiten. Smitty muss es wissen, denn jahrzehntelang hat er als Sportreporter das Team bei all seinen heroischen Niederlagen begleitet. Klar, dass hiermit Roths verrücktestes Buch entstanden ist, eine Parodie auf Amerika.

Der Roman ist ein Buch, das mit dem Absurden und Lächerlichen kokettiert und auch stilistisch damit auftrumpft, ja das sogar die Komik der Tragik heiter zu verwenden weiß. Im Grunde ist es ein einziger subtil verknoteter Scherz, an dem sich der Leser über 440 Seiten hinweg erfreuen kann - und erfreuen ist hier wirklich das passende Wort. Denn obwohl es eine Farce ist, kann es immer wieder mit neuen interessanten Handlungsbögen aufwarten. Und obwohl es das tut, hört es nie auf immer wieder einen kleinen Schwenk ins makabere zu unternehmen; und sei es auch nur unterschwellig.

Literatur:

The Great American Novel
The Great American Novel
von Philip Roth

Mittwoch, 23. Mai 2018

Schriftsteller Philip Roth ist tot

Philip Roth

Der Schriftsteller Philip Roth ist tot. Er starb im Alter von 85 Jahren an Herzversagen. Roth galt als einer der bedeutendsten Autoren seiner Generation und als Inbegriff der amerikanischen Literatur. Für seinen Roman "Amerikanisches Idyll" erhielt er den Pulitzer-Preis.

Roths Werke sind häufig autobiografisch geprägt. Seine Romanfiguren teilen seine Herkunft aus einer jüdischen Familie der unteren Mittelschicht, seine Geburtsstadt Newark, die späteren Wohnsitze New York City und eine Farm in Connecticut sowie die Erfahrungen seiner beiden Ehen. Nachdem bereits Roths Erstling Goodbye, Columbus im Jahr 1959 eine positive Aufnahme in der Kritik fand, wurde zehn Jahre später der Roman Portnoy’s Complaint zu einem Skandalerfolg. Ab den 1970er Jahren begleitete die Figur Nathan Zuckerman Roths Werk durch zwei Trilogien und mehrere Einzelromane.


Philip Roth ist Träger der wichtigsten amerikanischen Literaturpreise und hoch geehrt von der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. Oft wird er in einem Atemzug mit Faulkner, Bellow und Dos Passos genannt. Der Autor mit europäisch-jüdischem Hintergrund schreibt unermüdlich, schonungslos und in drastischer Sprache über seine Landsleute.

Der Autor schrieb während seines Lebens an die dreißig Romane. Darin verhandelte er große Fragen. In seinen Romanen machte er das jüdische Leben in Amerika, Amerikas Verrat an seinen Idealen, die Vergänglichkeit des Lebens und die männliche Sexualität zum Thema.

Das Leben ist nur eine kurze Zeitspanne, in der man lebendig ist.

Philip Roth

Das erste Buch mit Short Storys erschien 1959. Die folgenden Romane und Erzählungen über die jüdische Mittelklasse der Nachkriegszeit, über ihre Beziehungen, Zwänge und Neurosen, lösten oft Skandale aus. Bis 1992 unterrichtete Roth an verschiedenen Universitäten.

Fast drei Dutzend Bücher veröffentlichte Roth im Lauf seiner Karriere, oft eines pro Jahr. Sarkastisch, humorvoll, voller Melancholie. Viele davon spielen im Newark seiner Jugend. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die »Zuckerman-Trilogie«, »The Great American Novel«, »Verschwörung gegen Amerika«, »Jedermann«, »Nemesis«.

Obwohl Roth wieder und wieder begeisterte: Das eine ganz große Werk, den einen Klassiker, schrieb er nicht. Erst im Rückblick wird klar, dass sich Roth eben durch die Summe seiner hervorragenden Bücher in den Schriftsteller-Olymp geschrieben hat. Mehrere wurden verfilmt. "Roth ist der größte Schriftsteller unserer Zeit", schrieb der "Guardian" schon 2009, und ließ dafür auch Roths größte amerikanische Zeitgenossen wie Cormac McCarthy, John Updike und Don DeLillo links liegen.

Philip Roth wurde den letzten Jahren immer wieder als heißer Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt, den er jedoch nie erhalten hat. Für seinen Roman »American Pastoral« (»Amerikanisches Idyll«) erhielt er 1998 den renommierten Pulitzer-Preis.


"I did it, what I had."

Roth kam 1933 in Newark als Sohn jüdischer Eltern zur Welt - von New York aus auf der anderen Seite des Hudson Rivers gelegen. Bereits sein erster Roman "Good bye Columbus" erregte im Jahr 1959 großes Aufsehen. Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte er fast 30 Romane, zeitweise einen pro Jahr, dazu Sachbücher, Dutzende Novellen, Kurzgeschichten, Essays und Interviews. Viele seiner Bücher spielen im Newark seiner Jugend. Philip Roth lebte – nach Stationen in Rom, Chicago, London und New York – in Connecticut

Literatur:

The Great American Novel
The Great American Novel
von Philip Roth

Verschwörung gegen Amerika
Verschwörung gegen Amerika
von Philip Roth


Weblinks:

US-Schriftsteller Philip Roth ist tot - www.tagesschau.de

Autor und Pulitzerpreisträger Philip Roth ist tot - www.zdf.de

Gegenleben - der amerikanische Autor Philip Roth - www.deutschlandfunkkultur.de

Abschied von einem großen amerikanischen Schriftsteller - www.deutschlandfunkkultur.de


Blog-Artikel:

»Amerikanisches Idyll« von Philip Roth

Philip Roth 85. Geburtstag

Samstag, 19. Mai 2018

»Rot und Schwarz« von Henri Stendhal



»Rot und Schwarz« (»Le Rouge et le Noir«) ist ein 1830 entstandener Roman von Henri Stendhal, ein Sittengemälde des damaligen Frankreich. Darin erzählt wird die Geschichte des ehrgeizigen, hübschen Julien Sorel, der sich, aus ärmlichen Verhältnissen in der schönen Franche Compté stammend, nach gesellschaftlichem Aufstieg sehnt. Der für das Priesteramt bestimmte Jüngling erhält zunächst Privatunterricht bei einem Mönch, wo er die Bibel auf Lateinisch auswendig lernt. Heimlich liest er aber noch Napoleons Erinnerungen an St. Helena.

Mit dieser geistigen Ausstattung gelingt es dem Aufsteiger, eine Stelle als Hauslehrer der Kinder von Madame de Renal zu bekommen. Er bestimmt die Gage und setzt auch durch, daß er einen schwarzen Anzug erhält. Die Kinder lieben ihn und er liebt Mme de Renal, die wie eine dreißigjährige, aber immer noch hübsche Frau wirkt. Sie gesteht ihm ihr Alter, damit er sagen soll, das sehe man ihr nicht an. Insofern ist der Roman modern. Über hundert Seiten versucht Julien, ihren Arm zu berühren. Sie weinen viel. Schon bald wird er ihrer überdrüssig, geht aber nicht ins Priesterseminar, sondern über Besancon nach Paris. Er lernt u.a. Mathilde kennen, macht ihr ein Kind, liebt aber immer noch Mme de Renal. Er sucht sie heimlich auf, indem er ganz geschickt eine Leiter ans Fenster stellt.

Ein anderes Mal, als sie wieder recht zickig ist, feuert er in der Kirche einen Schuß von hinten auf die betende Angebetene ab. Das wird, obwohl sie ihm verzeiht, als Mordversuch gewertet. Auf Intervention hochstehender Persönlichkeiten wird er in ein hübsches Gefängniszimmer gesperrt, wo er all seine Lieben empfängt. Schließlich wird er verurteilt und guillotiniert. Vorher gibt er schon zu bedenken und bedauert, daß man das Verb nicht nicht vollständig beugen kann.

Julien Sorel ist für die damalige Leserschaft der unreife und sein Publikum kompromittierende Antiheld, der sich zwischen zwei Liebschaften zu entscheiden hat: eine, die seine Herzensliebe rührt und jene, die er nur durch Stärke und Vernunft gewinnen kann. Letztere kann seinen Aufstieg in höheren Adelsstand befördern, verunsichert ihn aber, da er ihr lediglich "en passent" verfallen ist.


Henri Stendhal


Stendhals Roman gleicht einem, je nach Betrachtungswinkel nüchtern oder romantisch gehaltenen Sittengemälde des damaligen Frankreichs; einer zu dicht fokussierten und zu nahegehenden Beschreibungskunst menschlichen Daseins und Innenlebens. Die Entwurzelung seiner Figuren, deren vehemente Zerrissenheit, sind Folgen gesellschaftlicher, epochaler Veränderung (wie die Rolle des Bürgers oder des Adels), liegen ursächlich in den Umwälzungen und im Zeitgeschehen jener postnapoleonischen Zeit, haben Auswirkungen auf Staat, Politik und individuelle Existenz.

Stendhals Zeit ist geprägt von Gegensätzen, die dem Roman - aber auch dessen Protagonisten - die historische Klammer geben: Republik oder Monarchie, Gleichheit oder Klassengesellschaft, kirchlich-provinzielle Moral oder weltmännisch-dekadenter Adelshochmut, Revolution oder Rückbesinnung. Rot oder Schwarz.

Roman ist ein Farbenspiel. Die Farben Rot und Schwarz stehen für zwei gesellschaftliche Mächte, von deren Einfluß der Roman handele: die Armee und die Kirche. Darüber hinaus ist Rot die Farbe der Liebe und der Leidenschaft, auch des Liebestodes, den Madame de Renal stirbt. Außerdem ist Rot die Farbe der Revolution, für Gewalttätigkeit und mililtärischen Ruhm.

Schwarz steht für den Tod, die Heuchelei, die Erziehung im Priesterseminar und politisch für die Reaktion des Bourbonenregimes, das Stendhal, dem Anhänger Napoleons verhasst war.

Literatur:

Rot und Schwarz. Chronik aus dem 19. Jahrhundert
Rot und Schwarz
von Henri Stendhal


Weblink:

Henri Stendhal-Biografie