Mittwoch, 13. März 2019

»Die zweite Frau« von Günter Kunert

Die zweite Frau
Die zweite Frau

Im Februar 2019 ist unter dem Titel »Die zweite Frau« im Wallstein Verlag ein vor mehr als 40 Jahren entstandener, bisher unbekannter Roman erschienen, dessen Manuskript von Kunert „vor kurzem zufällig in einer Truhe entdeckt“ wurde.

Ein Roman, geschrieben vor 45 Jahren - in der DDR »absolut undruckbar«, wusste Kunert und versteckte ihn im Archiv. Nun wiedergefunden, wird er endlich veröffentlicht.

In einer Truhe fand Günter Kunert unlängst ein Manuskript, das er vor fast fünfundvierzig Jahren geschrieben hat - einen Roman, so frech, brisant und »politisch unmöglich«, dass Kunert, der damals noch in der DDR lebte, ihn gar nicht erst einem Verlag vorlegte. »Absolut undruckbar«, wusste er und vergrub das Manuskript so tief in seinem Archiv, dass er selbst es vollkommen vergaß und erst jetzt durch Zufall wiederfand.

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Kunert ist berühmt für seine skeptischen Gedichte, die vor ökologischen Katastrophen und Fehlentwicklungen warnen, für seine Miniaturen und kurzen Prosatexte, Notate, Hörspiele, Filme; als Romanautor kennt man ihn eher nicht. Und hier ist nun ein Roman, funkelnd und frisch, geschrieben zur Hälfte des Lebens:

Der männliche Protagonist sucht nach einem Geschenk zum vierzigsten Geburtstag seiner Frau; die Auswahl in den Geschäften ist ebenso entmutigend wie seine Einfallslosigkeit, schließlich tauscht er Mark der DDR in Westgeld, um im Intershop einzukaufen, und macht dort unbedachte Bemerkungen. So nimmt eine Tragikomödie um Montaigne, Missverständnisse und Stasi-Tumbheit ihren Lauf.

Weblink:

Günter Kunert: Schreiben als Gymnastik - www.mdr.de


Literatur:

Die zweite Frau
Die zweite Frau
von Günter Kunert

Samstag, 9. März 2019

Günter Kunert 90. Geburtstag

Günter Kunert

Günter Kunert wurde vor 90 Jahren am 6. März 1929 in Berlin geboren. Günter Kunert ist ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Werk in besonderem Maße die Literatur der beiden deutschen Staaten, das heißt die Kompliziertheit ihrer Wechselbeziehungen und ihrer unterschiedlichen Befindlichkeiten, sowie dann des wiedervereinigten Deutschlands repräsentiert.

Kunert ist berühmt für seine skeptischen Gedichte, die vor ökologischen Katastrophen und Fehlentwicklungen warnen, für seine Miniaturen und kurzen Prosatexte, Notate, Hörspiele, Filme; als Romanautor kennt man ihn eher nicht.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges studierte er in Ost-Berlin fünf Semester Grafik, brach sein Studium dann jedoch ab. 1948 trat er der SED bei. Er lernte Bertolt Brecht und Johannes R. Becher kennen.

Alles Schreiben in der DDR war der Versuch, geistig - und nicht unbedingt materiell - zu überleben.
In seinen Arbeiten nimmt er eine kritische Haltung zu Themen wie Fortschrittsgläubigkeit, Nationalsozialismus und der Politik des DDR-Regimes ein. Während seine frühen Gedichte, pädagogisch-kritisch argumentierend, dem sozialistischen Realismus verpflichtet waren und dem Fortschritt dienen sollten, nahm er später eine zunehmend skeptische und pessimistische Haltung ein.

Günter Kunert ist seit 1981 Mitglied der »Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung«, seit 1988 Mitglied der »Freien Akademie der Künste Hamburg« und war von 2005 bis 2018 Vorstandspräsident des »P.E.N.-Zentrum« deutschsprachiger Autoren im Ausland und seit 2008 Ehrenmitglied des »Fördervereins Gefangenenbüchereien e.V.«

Er erhielt für sein umfassendes Werk zahlreiche Literaturpreise: »Heinrich-Mann-Preis« (1962), »Johannes-R.-Becher-Preis« (1973), »Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf« (1985), das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1989), »Mainzer Stadtschreiber« (1990).

Günter Kunert ist seiner der wenigen noch lebenden Schriftsteller, der die Sozialisation der DDR durchlaufen und verinnerlicht hat, um davon zu erzählen. Sein Pessimismus ist legendär, aber von Resignation will er nichts wissen. Kunert schreibt weiter – auch "um mit dem Kopf in Bewegung zu bleiben".

Im September 2018 erschienen seine Aufzeichungen »Ohne Umkehr«. Günter Kunert sorgt mit hochaktuellen Prosaminiaturen für Denkanstöße.

Im Februar 2019 ist unter dem Titel »Die zweite Frau« im Wallstein Verlag ein vor mehr als 40 Jahren entstandener, bisher unbekannter Roman erschienen, dessen Manuskript von Kunert „vor kurzem zufällig in einer Truhe entdeckt“ wurde.

Weblink:

Günter Kunert: Schreiben als Gymnastik - www.mdr.de


Literatur:

Die zweite Frau
Die zweite Frau
von Günter Kunert

Ohne Umkehr
Ohne Umkehr
von Günter Kunert

Samstag, 2. März 2019

»Der Scherz« von Milan Kundera


Milan Kundera

1967 veröffentlichte er seinen ersten Roman »Der Scherz«. In diesem Roman zeichnet er ein sehr drastisches Bild, was der Sozialismus Anfang der 1950er Jahre in seinem Land angerichtet hat.

Ein naiver Student schickt in der kommunistischen Welt seiner Freundin in Postkarte, weil er sie durch Kessheit beeindrucken möchte. Dieser bringt dabei folgendes zu Papier:

"Optimismus ist das Opium der Menschheit.
Ein gesunder Geist trieft nach Dummheit. Es lebe Trotzki!"

Die Partei begreift all dies und nimmt den Scherz des Studenten todernst. Der naive Student wird zum Verhör zitiert, gemaßregelt und anschließend aus seiner Lebensbahn geworfen. Der Kommunismus, indem er nicht zu Scherzen aufgelegt ist, erweist sich als humorlos.

Die tiefere Botschaft bzw. Moral lautet: In einer Welt, in der das Lachen verboten ist, gibt es auch keine Freude unter den Menschen.

Fanatiker und totalitäre Menschen sind immer humorlos. In ihrer Welt ist das Lachen verboten und es darf daher nicht gelacht werden. Dies erinnert sehr stark an Umberto Ecos Roman »Der Name der Rose«, wo religöse Fanatiker die Bibliothek und schließlich die ganze Abtei wegen eines geheimen Buch des Aristoteles in Brand setzen.

Literatur:

Der Scherz
Der Scherz
von Milan Kundera

Mittwoch, 27. Februar 2019

»Fabian« von Erich Kästner


Fabian

»Fabian Die Geschichte eines Moralisten« ist ein 1931 erschienener Roman von Erich Kästner. Sein Titelheld Fabian ist ein Moralist nicht im ethischen Sinne, sondern ein Schilderer der Sitten.

Dr. Jakob Fabian, Germanist und Reklametexter, lässt sich durch das Berlin der »Goldenen Zwanziger« treiben. Er wirft sich in erotische Abenteuer, trinkt mit Journalisten um die Wette und versucht, im Labyrinth der Großstadt seine Integrität und seine Ideale zu behaupten. Doch die Stadt windet sich wie in einem Fiebertraum; die junge Demokratie der Weimarer Republik wird mehr und mehr in ihren Grundfesten erschüttert. Dann lernt Fabian im Atelier einer Bildhauerin, wo sich leichte Mädchen und Todeskandidaten ein Stelldichein geben, die junge Juristin Cornelia kennen. Die beiden verlieben sich – doch die Liebe hat keine Konjunktur.


Der Roman ist ein schonungsloses Spiegelbild Deutschlands nach dem Scheitern der Weimarer Republik - heute aktueller denn je - und spiegelt die Problematiken der 1930er Jahre wieder. Darin werden unter anderem die Folgen der Weltwirtschaftskrise angesprochen, das neue Frauenbild der damaligen Zeit, sowie die politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Umbrüche.

Fabian, ein arbeitsloser Germanist, erzählt provokant von seinem Leben in der Großstadt, von der Arbeitslosigkeit, den Frauen und der trügerischen Fassade der Gesellschaft. Er ist ein Sympathieträger, der ein zeitgenössisches Bild vom Denken, Handeln und Fühlen vermittelt.

Literatur:

Fabian
Fabian
von Erich Kästner

Samstag, 23. Februar 2019

Erich Kästner 120. Geburtstag

Erich Kästner

Erich Kästner wurde vor 120 Jahren am 23. Februar 1899 in Dresden geboren. Erich Kästner war ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter. Er war ein bestimmender Intellektueller der Weimarer Republik.

Er studierte nach dem Ersten Weltkrieg Germanistik, Geschichte und Philosophie. Neben seinen schriftstellerischen Tätigkeiten war Kästner Theaterkritiker und freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen.

Seine publizistische Karriere begann während der Weimarer Republik mit gesellschaftskritischen und antimilitaristischen Gedichten, Glossen und Essays in verschiedenen renommierten Periodika dieser Zeit.

Als die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 Bücher und Bilder unliebsamer Künstler verbrannten, waren auch Werke von Erich Kästner darunter. Seine zeitkritischen und satirischen Texte hatten ihn in Ungnade fallen lassen. Der Journalist und Schriftsteller lebte und arbeitete weiter in Berlin und publizierte im Ausland.

Nach Beginn der NS-Diktatur war er einer der wenigen intellektuellen und zugleich prominenten Gegner des Nationalsozialismus, die in Deutschland blieben, obwohl seine Werke zur Liste der im Mai 1933 als „undeutsch“ diffamierten verbrannten Bücher zählten, und im Herrschaftsbereich des NS-Regimes verboten wurden. Trotz verschiedener Repressalien konnte er sich unter Pseudonym beispielsweise mit Drehbucharbeiten für einige komödiantische Unterhaltungsfilme und Einkünften aus der Veröffentlichung seiner Werke im Ausland wirtschaftlich absichern.


Mit der Niederlage des NS-Regimes im Zweiten Weltkrieg war Kästner ab Mitte 1945 wieder eine freie publizistische Entfaltung möglich. Von 1951 bis 1962 war er Präsident des westdeutschen PEN.-Zentrums. Als Pazifist nahm er in den 1950er und 1960er Jahren bei mehreren Gelegenheiten gegen die Politik der Regierung Adenauer öffentlich Stellung, unter anderem im Zusammenhang mit der Remilitarisierung, der Spiegel-Affäre und der Anti-Atomwaffenbewegung.

»Nur, wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.«

Populär machten ihn vor allem seine Kinderbücher, wie »Emil und die Detektive« (1929), »Das fliegende Klassenzimmer« (1933) und »Das doppelte Lottchen« (1949), sowie seine mal nachdenklich, mal humoristisch, oft satirisch formulierten gesellschafts- und zeitkritischen Gedichte, Epigramme und Aphorismen. Eine seiner bekanntesten Lyrik-Sammlungen erschien erstmals 1936 im Schweizer Atrium Verlag unter dem Titel »Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke«.

Erich Kästner

Erich Kästner hat außer seinen hochgelobten Kinderbüchern auch satirische und zeitkritische Erzählungen verfasst. In zeitkritischen Gedichten und dem Roman »Fabian« wandte er siuch mit Kritik und Witz gegen die spießbürgerlice Moral, den Mililtarismus und den Faschismus. Daneben machte er sich besonders als Autor erfolgreicher Romane voller Humor und amüsanter, spannendner Jugendbücer einen Namen. Seine bekanntesten Jugendbücher sind: »Emil und die Detektive« (1929), »Pünktchen und Anton« (1931), »Das fliegende Klassenzimmer« und »Das doppelte Lottchen« (1949).

Die Gedichtbände »Herz auf Taille« und »Lärm im Spiegel« erschienen 1928 und 1929, ebenso sein bekanntestes Kinderbuch »Emil und die Detektive«. Nach dem Krieg lebte Kästner in München und rechnete als Mitglied der »Schaubude« sowie in seinen Hörspielen und Liedern mit den Nazis ab.

Der Roman »Fabian« ist ein schonungsloses Spiegelbild Deutschlands nach dem Scheitern der Weimarer Republik - heute aktueller denn je - und spiegelt die Problematiken der 1930er Jahre wieder. Darin werden unter anderem die Folgen der Weltwirtschaftskrise angesprochen, das neue Frauenbild der damaligen Zeit, sowie die politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Umbrüche.

Fabian, ein arbeitsloser Germanist, erzählt provokant von seinem Leben in der Großstadt, von der Arbeitslosigkeit, den Frauen und der trügerischen Fassade der Gesellschaft. Er ist ein Sympathieträger, der ein zeitgenössisches Bild vom Denken, Handeln und Fühlen vermittelt. Fabian ist ein Moralist nicht im ethischen Sinne, sondern ein Schilderer der Sitten.

Von 1945 bis zu seinem Tode lebte Kästner in München. Erich Kästner starb am 29. Juli 1974 in München.

Literatur:

Fabian
Fabian
von Erich Kästner

Emil und die Detektive
Emil und die Detektive
von Erich Kästner

Pünktchen und Anton
Pünktchen und Anton
von Erich Kästner


von Erich Kästner


Montag, 18. Februar 2019

Thomas Bernhard der große Verneiner


Thomas Bernhard

Thomas Bernhard ist eine faszinierende und höchst widersprüchliche Gestalt, dessen Leben und Wirken bis heute nachwirkt. Er ist eine Gestalt mit mephistophelischen Zügen: ein Geist der stets verneint und der anderen gern einen Spiegel vorhielt. Er braucht seine Seele nicht zu verkaufen, es reicht ihm aus, wenn er die Welt verneint.

Der Schriftsteller und Theatermacher gilt als der große Verneiner, letztlich ein Verneiner der menschlichen Existenz. Seine Werke sind der Ausdruck der Verneinung. Dunkel und bedrohlich seine verneinte Welt, so auch seine Werke stets verneinend und abgründig. Bei ihm wird Literatur - ganz mephistophelisch - zum Sturz in den Abgrund des Wirklichen. Doch was spricht da aus Bernhards Werken?

Der Menschenhaß ist das wiederkehrende Merkmal seiner Werke. Genährt und gespeist von seiner unerschöpflichen Misanthropie. Seine berühmte Misanthrophie, der Bernhardsche Markenartikel "Menschenhaß", ist genau besehen nur gewendete Eigenliebe. Indem er sich selbst in seine allumfassende Haßliebe mit einbezog, machte er sich unangreifbar.

Frost

Man hat ihn deshalb als Moralisten mißverstanden, doch er war kein Moralist. Er war ein Narziß, ein Egomane mit manischer Schreibwut, den sein gekränkter Narzißmus antrieb. Was ihn aufbrachte, war nicht gerechter Zorn, aber um so mehr blinde Wut, die, ehe sie wieder verrauchte, gewaltige Wortanfälle zeitigte. Seine finsteren Texte wie "Frost" oder "Verstörung" haben die Heimat für immer verunheimlicht.



Thomas Bernhard - Leben und Werk in Bildern und Texten

Thomas Bernhard -
Leben und Werk in Bildern und Texten
von Wieland Schmied und
Erika Schmied

Residenz Verlag,
Gebundene Ausgabe - 19. März 2008,
311 Seiten, 49,90 EUR.
ISBN-13: 978-3701730896

Thomas Bernhard hat, noch ehe er auch als Theaterautor reüssierte, sein Schreiben einmal als performativen Akt charakterisiert: Man denke sich eine Bühne in totaler Finsternis, auf der es, sobald die Worte erscheinen, allmählich licht wird. Der »Alles-und alle-Beschimpfer« provozierte Skandale und wollte dennoch partout kein Skandalautor sein. Und dennoch war er ein unbequemer Störenfried im eher beschaulichen Literaturbetrieb seines Heimatlandes Österreich, welches ihn mit einer innigen Hassliebe verband. Bernhard war eine Figur wie geschaffen für das Feuilleton.

Das Feuilleton wurde nicht müde im Erfinden immer neuer Begriffe, um Thomas Bernhard, zu beschreiben. Als "Alpen-Beckett" wurde er bezeichnet und einen Meister der Suada sah man in ihm. Nur wenige haben so grandiose Hasstiraden auf Österreich verfasst wie Bernhard, keiner provozierte bei Preisverleihungen die Laudatoren wie er. Bernhard war immer für einen Skandal gut. Die Veröffentlichung seines Romans "Holzfällen" hat für einen Eklat gesorgt und die Inszenierung seines Stückes "Heldenplatz" war begleitet von heftigen öffentlichen Protesten.


Thomas Bernhard Suhrkamp


Blog-Artikel:

Thomas Bernhard 80. Geburtstag




Samstag, 16. Februar 2019

»Ein winterliches Gedicht« von Alexander Puschkin



Erst gestern war es, denkst du daran?
Es ging der Tag zur Neige.
Ein böser Schneesturm da begann
und brach die dürren Zweige.

Der Sturmwind blies die Sterne weg,
die Lichter, die wir lieben.
Vom Monde gar war nur ein Fleck,
ein gelber Schein geblieben.

Und jetzt? So schau doch nur hinaus:
Die Welt ertrinkt in Wonne.
Ein weißer Teppich liegt jetzt aus.
Es strahlt und lacht die Sonne.

Wohin du siehst: Ganz puderweiß
geschmückt sind alle Felder.
Der Bach rauscht lustig unterm Eis.
Nur finster steh'n die Wälder.


»Ein winterliches Gedicht« von Alexander Puschkin (1799-1837)